16.11.2006 · Der Papst und der Limburger Bischof hätten kaum fröhlicher auf dem Foto nach der Audienz im Vatikan dreinblicken können. Gut gestimmt war Bischof Franz Kamphaus auch, als er Anfang dieser Woche engen Mitarbeitern von dem Besuch berichtete.
Von Stefan ToepferDer Papst und der Limburger Bischof hätten kaum fröhlicher auf dem Foto nach der Audienz im Vatikan dreinblicken können. Gut gestimmt war Bischof Franz Kamphaus auch, als er Anfang dieser Woche engen Mitarbeitern von dem Besuch berichtete. „Er war aber seltsam unpräzise“, heißt es. Vielleicht gab es nicht mehr zu sagen, vielleicht wollte er nicht in die Tiefe gehen, denn Kamphaus bereitet sich nach fast 25 Jahren im Bistum auf seinen Abschied vor. Am 2. Februar wird er 75 Jahre alt und hat den Vorschriften gemäß seinen Rücktritt eingereicht. Keiner rechnet damit, daß der Papst das Gesuch ablehnt.
Vieles, was Kamphaus derzeit tut oder plant, geschieht zum letzten Mal. Ein Projekt aber bildet geradezu eine Klammer um seine Amtszeit: das Haus am Dom in Frankfurt. Erste Pläne für ein Zentrum dieser Art hatte der Bischof 1989; nun kann er am 14. Januar, wenige Tage vor seinem Geburtstag, das Haus mit einem festlichen Gottesdienst im Dom eröffnen.
Das Christentum als „Stadtreligion“
Das Haus ist sein Vermächtnis. Wieder und wieder hat er betont, daß das Christentum seit Anbeginn eine „Stadtreligion“ sei und es in Städten verwurzelt sein müsse. Die Öffnung der Kirche auf die sie umgebende urbane Gesellschaft ist ihm wichtig. Sonst verkomme die Kirche zu einem Verein, der nur seine eigenen Interessen vertrete. Das Haus am Dom will sich dieser Herausforderung stellen.
Auch im Kleinen zeigt es, worauf es Kamphaus ankommt. Zum Beispiel greift der leicht sperrige Titel eines Referats im Akademischen Zentrum des Hauses, „Arbeit und soziale Fragen - in der Einen Welt“, sein Anliegen auf, daß sich die Kirche in Debatten über Sozial- und Entwicklungspolitik einmischen müsse. Und Kamphaus weiß nicht erst seit der Aufforderung des Papstes an ihn und die anderen Bischöfe, die mit ihm im Vatikan waren, daß der interreligiöse Dialog verstärkt werden muß. Auch der ist im Haus verankert.
Die mit dem Bau verbundenen Querelen sind vorbei. Heftig hatte sich Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) gegen die ursprüngliche Architektur gewandt, die Pläne wurden geändert. An dem Haus kommt man in der Debatte um die Altstadt-Gestaltung nicht mehr vorbei. Im Bistum hat man lange über das Projekt gestritten. Die Kosten waren zu hoch, die ländlichen Regionen der Diözese, aber auch Frankfurter Pfarreien sahen sich zurückgesetzt, Umstrukturierungen in der Bildungsarbeit kosteten viel Kraft. Den Namen des Bischofs soll das Haus am Dom nicht tragen. Das wollte er nicht. Aber auch damit drückt er dem Haus seinen Stempel auf.