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Kommentar : Verlage müssen sich selbst anstrengen

  • -Aktualisiert am

Die Hessen-SPD befürwortet eine Stiftung für guten Journalismus - doch es gibt gewichtige Argumente dagegen Bild: dpa

Die Hessen-SPD fordert die Einrichtung einer Stiftung zur Förderung von gutem Journalismus. Doch die Verlage müssen sich selbst anstrengen, gute Zeitungen machen und ein alltagstaugliches Bezahlmodell für Angebote im Internet finden.

          Es ist aller Ehren wert, dass der Hessische Landtag gestern eine Anhörung zur Lage der Printmedien veranstaltete. In der Tat bereitet das nicht mehr so vitale Geschäftsmodell der Zeitungen den Verlagen Sorgen. Und den Politikern. Denn wer soll noch den Parteien, den Abgeordneten, der Regierung und der Opposition ein Forum bieten, auch da, wo die Dinge zu kleinteilig, vielleicht auch zu kompliziert werden für Funk und Fernsehen, wo man nicht so gut ins Detail gehen kann. Zeitungen, so fehlbar sie sind, tragen noch immer dazu bei, die Welt im Großen wie im Kleinen zu verstehen. Und das ist ja das Sonderbare: Eigentlich wächst in einer schwierigen Zeit der Bedarf an Qualitätsjournalismus, aber er wird nicht mehr mit dem Preis honoriert, den er verdient.

          Die SPD fordert - sicherlich in bester Absicht - die Einrichtung einer Stiftung zur Förderung von gutem Journalismus. Dabei sei sicherzustellen, „dass jeglicher staatliche oder staatlich organisierte Zugriff zu unterbleiben hat“. Klingt gut. Und was kaum noch jemand weiß: Es hat sogar, ohne dass gleich die Welt unterging, der Staat schon direkt Zeitungen finanziell unterstützt, nämlich einst der West-Berliner Senat den „Abend“ und das „Spandauer Volksblatt“, das sei nur in eckigen Klammern erwähnt. Aber noch die in bester Absicht eingerichtete Stiftung kann sehr schnell unter dem Appetit der Politik leiden. Wenn es ernst wird, zumal in Wahlkampfzeiten, wäre es für Parteien ganz einfach zu verlockend, über die Gremien der Stiftung Einfluss zu nehmen.

          Man denke in diesem Zusammenhang auch an den dokumentierten Versuch der SPD-Schatzmeisterin, die Berichterstattung der „Frankfurter Rundschau“ über die Linkspartei zu beeinflussen - in jenen Tagen, als die parteieigene DDVG an dem Blatt beteiligt war. Und wie es in den öffentlich-rechtlichen Anstalten zugeht, wo in den Rundfunkräten Politik gemacht wird, wo Journalisten auf „Parteitickets“ befördert werden, wo bisweilen Intendantenwahlen zur politisch bedingten Lachnummer werden, das ist auf unrühmliche Weise bekannt. Im Übrigen sind Qualitätszeitungen bisher ganz gut damit gefahren, selbst zu definieren, was sie für „guten Journalismus“ halten. Sie müssen das nicht wohlmeinenden, aber womöglich politisch eingefärbten Stiftungen überlassen.

          Nein, die Verlage müssen sich schon selbst anstrengen, gute Zeitungen machen und ein alltagstaugliches Bezahlmodell für die heute noch verschenkten Angebote im Internet finden. Mag ja sein, dass irgendwann Stiftungen einspringen müssen. Aber so weit ist es noch nicht, gottlob.

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