18.07.2009 · Durch Sailauf mit seinen 3700 Einwohnern - davon sind 2100 Katholiken - geht ein Riss. Die Fronten sind verhärtet zwischen Abrissbefürwortern und Abrissgegnern. Die Diözese muss sich nun Kritik gefallen lassen.
Von Agnes SchönbergerIn Sailauf ist die Welt nicht mehr in Ordnung, seitdem bekannt wurde, dass die Auferstehungskirche abgerissen werden soll. Viele Katholiken sind verstört, und sie äußern dies auch laut und öffentlich. Durch den kleinen Ort mit seinen 3700 Einwohnern – davon sind 2100 Katholiken – geht ein Riss. Die Fronten sind verhärtet zwischen Abrissbefürwortern und Abrissgegnern.
Einen großen Anteil an diesem Kirchenstreit trägt die Diözese, die die Heftigkeit der emotionalen Reaktionen auf ihre Entscheidung, für das Gotteshaus kein Geld mehr auszugeben und den Abriss zu empfehlen, wohl unterschätzt hatte. Für die Verantwortlichen im Bistum Würzburg schien ein Abbruch des maroden Gotteshauses vor allem aus finanziellen Gründen die vernünftigste Lösung. Eine öffentliche Diskussion darüber fand jedoch nicht statt. Vielmehr konnte der Eindruck entstehen, die Kirchenverwaltung der Sailaufer Gemeinde sei von der Ankündigung überrumpelt und unter Druck gesetzt worden, einem Abriss zuzustimmen.
Entweihung der Auferstehungskirche
Der Streit spitzte sich zu, als die Reliquien heimlich aus der Kirche geholt und die Profanierung unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommen wurde. Erst aus einem Anschlag an der Kirchentür erfuhren die Gläubigen von der Entweihung der Auferstehungskirche. Das musste die Menschen vor den Kopf stoßen. In vielen Äußerungen kam zum Ausdruck, dass sich die Gläubigen nicht ernst genommen fühlten. Sie beklagen, dass ihnen keine Gelegenheit gegeben wurde, Abschied von dem Gotteshaus zu nehmen, in dem viele getauft wurden, zur Kommunion gegangen waren oder auch geheiratet hatten.
Die Diözese muss sich auch die Kritik gefallen lassen, dass sie eine Umnutzung des Gebäudes nicht in Betracht gezogen hat. Man habe keine „Irritationen“ durch eine Umnutzung der Kirche hervorrufen wollen, sagt Pressesprecher Bernhard Schweßinger. Diese Antwort befriedigt nicht. Denn das beste Gegenbeispiel findet sich in Aschaffenburg. Die einstige Kirche der Jesuiten wird seit Jahrzehnten als Kunstraum genutzt, und niemand ist darüber irritiert.
Der Abriss einer katholischen Kirche ist nichts Alltägliches in Westdeutschland. Auch in Frankfurt gab es heftige Proteste, als die Matthäuskirche beseitigt werden sollte. Der Kampf der Gläubigen dort hatte Erfolg. Die Kirche soll beim Bau eines hinter ihr gelegenen Hochhauses weitestgehend erhalten bleiben. In Sailauf scheint angesichts der verhärteten Fronten ein Kompromiss allerdings kaum noch denkbar.
Agnes Schönberger Jahrgang 1956, freie Autorin für die Rhein-Main-Zeitung in Aschaffenburg.
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