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Kommentar Unüberbrückbar

08.06.2006 ·  Rechts des Rheins ist auch noch Mainz: Das zumindest behaupten die Mainzer immer dann, wenn es darum geht, ihre früheren Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel von den Nachbarn aus Wiesbaden zurückzufordern.

Von Markus Schug
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Rechts des Rheins ist auch noch Mainz: Das zumindest behaupten die Mainzer immer dann, wenn es darum geht, ihre früheren Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel von den Nachbarn aus Wiesbaden zurückzufordern. So gesehen spricht nichts - zumindest nicht viel - dagegen, auf der anderen, also der hessischen Seite des Flusses, ein neues Fußballstadion für den Erstligisten Mainz 05 zu errichten. Finanziell, so hat das nun vorgelegte Gutachten gezeigt, wäre ein Neubau im Gewerbegebiet am Petersweg für den Verein ohnehin die günstigste Lösung.

Durch die von Wiesbaden angebotene Partnerschaft der Nachbarstädte - etwa eine gemeinsame Grundstücksgesellschaft zu gründen - und die Einbeziehung des aufstrebenden Regionalligisten SV Wehen als eines möglichen Stadion-Untermieters könnte im Idealfall sogar ein regionales Vorzeigeprojekt erster Klasse entstehen. Wehen macht keinen Hehl daraus, daß man sich als potentieller Zweitligist gerne nach Wiesbaden hin ausrichten möchte, wo zusätzliche Fans und Sponsoren zu finden seien.

Die „richtige Rheinseite“

Gegen den Standort Kastel sprechen eigentlich nur zwei Argumente. Zum einen müßte die Verkehrsinfrastruktur deutlich verbessert werden - schließlich wären nicht nur die Gästefans, sondern auch der größte Teil der aus Mainz und Rheinhessen stammenden Anhänger für die Mainzer Heimspiele über den Fluß zu bringen. Weil die Theodor-Heuss-Brücke diesem Ansturm wohl kaum gewachsen wäre, müßten viele Fans den Umweg über die Autobahnen in Kauf nehmen oder sich an die Anreise mit der S-Bahn gewöhnen.

Im Vergleich dazu bietet der Mainzer Bruchweg, der laut Gutachten ebenfalls für einen Stadionneubau geeignet wäre, eine geradezu optimale Verkehrsanbindung. Am Hauptbahnhof eintreffende Fans erreichen zu Fuß in nicht einmal zehn Minuten das Spielfeld. Und selbst nach der geplanten Kapazitätserweiterung von derzeit 20.000 auf künftig 35.000 Zuschauer sollte das erprobte Verkehrskonzept, wenngleich in modifizierter Form, noch funktionieren.

Gegen einen Stadiontransfer nach Kastel spricht - jenseits aller verkehrsplanerischen Fragen - aber noch etwas ganz anderes: das Gefühl. Für die meisten Mainzer Fußballfans, die sich bedingungslos mit ihrer Stadt, ihrem Verein und ihrer Mannschaft identifizieren, ist die Kluft nach Wiesbaden schlichtweg unüberbrückbar. Woran auch die professionelle Einstellung der Vereinsführung, für die ein Neubau am Bruchweg erste Wahl, eine Verlagerung nach Kastel jedoch gleichfalls vorstellbar ist, nichts ändern dürfte. Die Stadt Mainz und das Land Rheinland-Pfalz werden ohnehin alles daran setzen, die wechselwilligen „Nullfünfer“ auf ihrer, der „richtigen Rheinseite“, zu halten.

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