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Kommentar Unselige Interessengemeinschaft

 ·  Man muss sich große Sorgen machen um jene Häuser, die es nicht in den Rang eines Denkmals geschafft haben, deren hoher ästhetischer Rang aber unstrittig ist.

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Am Wochenende waren gut 170.000 Menschen unterwegs, um am Tag des offenen Denkmals die bedeutendsten und oft auch schönsten historischen Bauwerke Hessens zu bewundern. An diesem Festtag lässt sich trotz manchen Streitfalls sagen: Alles in allem steht es gut um die Denkmalpflege. Im Vergleich zu den Behörden in anderen Bundesländern ist das Landesamt in Wiesbaden finanziell gut ausgestattet.

Auch das Verhältnis von Immobilieneigentümern, Architekten und Denkmalpflegern ist entspannter als in früheren Zeiten. Wo die Sanierung eines geschützten Gebäudes ansteht, werden die Verhandlungen zumeist im Geiste des Pragmatismus geführt. Die Denkmalpfleger wissen, dass Leerstand die größte Gefahr für die Bausubstanz ist, und die Bauherren haben oft mehr Respekt vor dem kunsthistorischen Wert der ihnen anvertrauten Häuser als vor 20 oder 30 Jahren.

Vorgaben der Energieeinsparverordnung

Alles gut also? Mitnichten. Man muss sich große Sorgen machen um jene Häuser, die es nicht in den Rang eines Denkmals geschafft haben, deren hoher ästhetischer Rang aber unstrittig ist. Das Bürgerhaus im Frankfurter Westend zählt genauso dazu wie ein Fachwerkhaus in Schlitz oder ein Fünfziger-Jahre-Bungalow in Kassel.

Werden solche Gebäude saniert, dann gelten für sie die Vorgaben der Energieeinsparverordnung, anders als für Denkmale, für die es Ausnahmeregelungen gibt. Üppige Fördermittel und die derzeitige Flucht in Immobilien sorgen dafür, dass Häuser reihenweise energetisch ertüchtigt werden.

Fassadenschmuck zerstört

Unglückseligerweise ist es zu Beginn des 21. Jahrhunderts immer noch Stand der Technik, 30 Zentimeter dicke Styropor-Platten vor eine Hauswand zu kleben. Die Proportionen eines Hauses und sein Fassadenschmuck werden dadurch zerstört. Doch angesichts der üppigen Subventionierung dieser Primitiv-Methode darf man sich nicht wundern, dass sich die Industrie an innovativen Lösungen wenig interessiert zeigt. Mit der Förderbank KfW, dem haussierenden Handwerk und der von CO2-Tonnen-Zählerei besessenen Politik unter ideologischer Führung der Grünen bildet sie eine unselige Interessengemeinschaft.

In 20 Jahren wird man darüber lachen, wie wir im Jahr 2012 Energieeinsparung betrieben haben. Die Verluste an Bausubstanz werden dann aber irreparabel sein.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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