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Kommentar Und wo war Fitschen?

 ·  Mag ja sein, dass neue Regeln manchen Banken ziemlich zusetzen. Doch wäre es wichtig, dass die Vorstandschef Veränderungen im Geschäftsgebaren glaubwürdig erläutern würden.

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Jürgen Fitschen ist nicht gekommen. Und auch sonst hat sich trotz verschiedener Anfragen kein Frankfurter Spitzenbanker auf ein Podium der Diskussionsreihe „Demokratie im Würgegriff?“ gewagt, die diese Zeitung gemeinsam mit der Goethe-Universität im nun auslaufenden Wintersemester der Bürgeruniversität veranstaltet hat. Ein Armutszeugnis für die Branche, die so gerne von sich behauptet, dass sie das Vertrauen der „normalen Menschen“ wiedergewinnen will.

Der Bedarf nach Informationen und Gesprächen mit den Verantwortlichen der Finanzkrise ist auch mehr als vier Jahre nach deren Ausbruch noch riesig. Das hat die große Resonanz auf jede Veranstaltung der Bürgeruniversität gezeigt, das belegten auch die vielen klugen, durchdachten Fragen der Zuhörer. Da waren nicht nur Occupy-Aktivisten, die „das System“ abschaffen wollen, ohne eine Alternative zu nennen. Wer hat was wann falsch gemacht? Wer hat wo nicht genau genug hingesehen? Und vor allem: Was hat die Finanzbranche, was haben die Ratingagenturen, die Politik und die Aufseher aus den Krisen der vergangenen Jahre gelernt? Das waren die Fragen, die ein sehr gemischtes Publikum gerne mit denen diskutiert hätte, für die es eigentlich oberste Aufgabe sein sollte, Antworten auf sie zu finden: die Banker, Regulierer und Politiker selbst.

„Überregulierung“ beklagt

Doch die Diskussionen bleiben zweigeteilt. Occupy und einige Professoren unterhalten sich auf der einen Seite. Und wenn sich die Herren der Hochfinanz einmal öffentlich mit der Krisenaufarbeitung beschäftigen, dann bleiben sie doch lieber unter sich - mit erwartbar geringem Erkenntnisgewinn. Während der Euro Finance Week im Herbst überboten sich die Banker vor allem darin, die „Überregulierung“ ihrer Branche in Folge der Krise zu beklagen.

Mag ja sein, dass die vielen parallel eingeführten neuen Regeln manche Banken ziemlich in Bedrängnis bringen. Doch auch um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, wäre es wichtig, dass die Vorstandsvorsitzenden glaubwürdig erläutern würden, mit welchen Veränderungen im Geschäftsgebaren sie auf die Krise reagiert haben. Fitschen und sein Ko-Chef bei der Deutschen Bank, Anshu Jain, haben zu ihrem Amtsantritt einen Kulturwandel ausgerufen. Und nun bringen ihre Mitarbeiter schon wieder unübersichtlich verschachtelte Finanzprodukte auf den Markt. Vertrauen schaffen geht anders.

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28.01.2013, 23:22 Uhr

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