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Kommentar Überzogen

 ·  In Bad Vilbel hat man Graffiti-Sprayern den Kampf angesagt. Von „null Toleranz“ ist die Rede, ein „Kopfgeld“, wie es die CDU nennt, soll Bürgern gezahlt werden, die Hinweise auf Sprayer geben. Der Vorstoß ist gut gemeint, aber überzogen.

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Die Freude an den frisch gereinigten Wänden in der Bahnsteigunterführung sowie in der Vorhalle des Bad Vilbeler Nordbahnhofs währte nur kurz. Eine Woche nach der Verschönerungsaktion waren die mühsam gereinigten Flächen wieder verunstaltet worden. Das illegale Aufsprühen von Graffiti ist zur Plage geworden.

Mit dem Anbringen solcher Bilder oder Schriftzüge suchen insbesondere Jugendliche Anerkennung, drücken ihr Lebensgefühl aus – jedoch auf Kosten der Allgemeinheit. Die Entfernung von Graffiti an Gebäuden und Bahnen verursacht nach Angaben des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundeigentümer jedes Jahr Kosten von bis zu 250 Millionen Euro.

Denunziantentum wird gefördert

In Bad Vilbel hat man Graffiti-Sprayern nun den Kampf angesagt. Von „null Toleranz“ ist die Rede, ein „Kopfgeld“, wie es die CDU nennt, soll Bürgern gezahlt werden, die Hinweise auf Sprayer geben. 10000 Euro sollen dafür im Haushalt eingeplant werden.

Der Vorstoß ist gut gemeint, aber überzogen. Wer zum verbalen Keulenschlag ausholt, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm vorgeworfen wird, Denunziantentum zu fördern. Hilfreicher wäre es, mit der Polizei zu kooperieren und bei der Überführung eines Täters konsequent einen Ausgleich durch Eigenleistung einzufordern.

Bedenkenswert ist indes der Vorschlag, Graffiti auch als Kunstform und Teil moderner Jugendkultur anzusehen. Es wäre daher sinnvoller, das im Haushalt eingeplante Geld für Projekte und Aufklärungsarbeit in Jugendeinrichtungen auszugeben, um Sprayer aus der Illegalität herauszuholen. Wer, wie in Bad Vilbel geplant, zudem öffentliche Fassaden und mobile Wände zur Gestaltung mit Graffiti zur Verfügung stellt, gibt einen Rahmen vor, in dem Jugendliche sich entfalten können – statt sie mit „Kopfgeldern“ zu jagen.

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