28.04.2009 · Maria Gazzetti hat den Eindruck, ihre Tätigkeit als Programmleiterin des Frankfurter Literaturhauses nicht mehr ungehindert weiterführen zu können. Ihre Entscheidung, auf eine weitere Verlängerung ihres Vertrages zu verzichten, ist da nur konsequent.
Von Florian BalkeWenn man nicht mehr so arbeiten kann, wie man möchte, sollte man gehen. Maria Gazzetti hält sich an diese stolze Devise. Als Programmleiterin des Frankfurter Literaturhauses hat sie seit 1995 dessen Veranstaltungen organisiert und immer genau gewusst, auf welche Art sie das ihr anvertraute Haus mit literarischem Leben erfüllen wollte. Nun hat die Italienerin den Eindruck, ihre Tätigkeit nicht mehr ungehindert weiterführen zu können. Gazzettis Entscheidung, auf eine weitere Verlängerung ihres Vertrages zu verzichten, ist da nur konsequent.
Der Entschluss, die Leitung des Hauses an der Schönen Aussicht im nächsten Sommer niederzulegen, ist jedoch mehr als nur die Entscheidung einer einzelnen Person. Er ist die Folge von Veränderungen, die in den vergangenen Jahren andere deutsche Literaturhäuser erfasst haben. Beliebt war die Eröffnung öffentlich finanzierter Orte für literarische Lesungen in den finanziell bessergestellten achtziger Jahren. Heute können die Kulturetats nicht mehr jede gute Idee finanzieren. Auch die Literaturhäuser sind heute dazu gezwungen, einen bedeutenden Teil ihres Etats über Mitgliedsbeiträge, Eintrittsgelder, Spenden und Projektförderung zu erwirtschaften.
Nachfolgersuche
Ob es von Vorstand und Stadt klug war, Gazzetti gehen zu lassen, muss sich daher erst noch zeigen. Sie, die nie an Quoten dachte, hat mit dazu beigetragen, dass die Besucherzahlen des Hauses nach dem Umzug von der Bockenheimer Landstraße an die Schöne Aussicht gestiegen sind. Mehr Veranstaltungen als zuvor hat es im vorigen Jahr auch gegeben, obwohl die Räume des Literaturhauses nebenbei gewinnbringend für private Veranstaltungen vermietet werden mussten. Es ist keineswegs sicher, dass ein neuer Leiter diese strukturellen Probleme heutiger Literaturhäuser zur Zufriedenheit der Stadt und des Literaturhausvereins lösen wird. Dessen Vorstandsvorsitzender Rainer Weiss hat recht, wenn er sagt, bei der Suche nach Gazzettis Nachfolger müsse man sich die allergrößte Mühe geben. Nur dann werden an der Schönen Aussicht gute Aussichten herrschen.