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Kommentar Taten statt Debatten

 ·  „Ferien, die schlau machen“. Auf einen solchen Slogan muss man erst einmal kommen. Eingefallen ist er Mitarbeitern einer ehrgeizigen Stiftung. Der Satz ist so gut wie das Projekt, für welches die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit ihm geworben hat: der „DeutschSommer“.

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„Ferien, die schlau machen“. Auf einen solchen Slogan muss man erst einmal kommen. Er ist nicht einem besorgten Schulbürokraten eingefallen, sondern den Mitarbeitern einer ehrgeizigen Stiftung. Der Satz ist so gut wie das Projekt, für welches die Stiftung Polytechnische Gesellschaft mit ihm geworben hat. Der „DeutschSommer“, ein Sprach-Camp für Frankfurter Drittklässler mit schlechten Deutschkenntnissen, könnte ein Erfolgsmodell für ganz Deutschland werden. Die Auswertung der ersten Staffel dieser Ferienschule hat jedenfalls ergeben, dass die Teilnehmer – die meisten waren Einwanderer-Kinder – innerhalb von drei Wochen recht beachtliche Fortschritte in der deutschen Sprache gemacht haben. Ihre Chance, im Herbst nach der vierten Klasse aufs Gymnasium oder wenigstens eine Realschule zu kommen, dürfte gestiegen sein.

Die vielbeklagte Chancenungleichheit von Migrantenkindern kann der „DeutschSommer“ gewiss nicht beseitigen, aber doch ein Stück verkleinern. Das ist allemal mehr, als die sich im Kreis drehende Debatte über das Schulsystem bisher erbracht hat.

Bildungs- und Integrationsgeschichte schreiben

Man sieht an diesem Beispiel, wo die Stärken von Reformstiftungen wie der Polytechnischen oder der Hertie-Stiftung liegen. Sie dürfen im Gegensatz zur Kultusbürokratie auch gewagtere Ideen ausprobieren. Sind die Ergebnisse überzeugend, kann man daran denken, die Projekte auf ganze Städte, Bundesländer oder gar auf die ganze Republik zu übertragen. Die Hertie-Stiftung hat das mit „Jugend debattiert“ vorgemacht. Ihren Versuchsballon ließ sie in Frankfurt starten, mittlerweile nehmen 50.000 Schüler aus ganz Deutschland an dem Wettbewerb teil – womit endlich an deutschen Schulen eine systematische Rhetorik-Schulung stattfindet. Auch „Start“, das Stipendienprogramm für begabte Ausländerkinder, hat seinen Siegeszug durch die Republik von Frankfurt aus angetreten.

Mit dem „DeutschSommer“ könnte neben Hertie eine zweite Frankfurter Stiftung Bildungs- und Integrationsgeschichte schreiben. Die Polytechnische hat klugerweise von vornherein Partner ins Boot geholt und das Projekt so angelegt, dass weitere Förderer hinzustoßen können. Selbst engagierte Privatleute können sich beteiligen, indem sie die Finanzierung eines Platzes beim nächsten „DeutschSommer“ übernehmen. Schlau gemacht, dieses Lernen in den Ferien.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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