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Kommentar : Stellplatzsatzung eher hinderlich

Die Verringerung von Stellplätzen in etlichen Neubaugebieten mag manchen Investor dazu bewegen, sich in Offenbach zu engagieren, da seine Kosten sinken.

          Offenbach, eine nicht eben von Investoren in überschäumender Begeisterung aufgesuchte Stadt, will ansiedlungswilligen Gewerbe- und Bauunternehmen entgegenkommen. Die Vorgaben für die Zahl an Stellplätzen, die bei Neubauprojekten oder bei revitalisierten Altbauten ausgewiesen werden müssen, sollen drastisch verringert werden. Auch wenn Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) diese Änderung als eine Art Alleinstellungsmerkmal zu verkaufen sucht: Dass Städte und Investoren für ihre Interessenten seit geraumer Zeit auf Mobilitätsangebote setzen, auf Jobticket, E-Mobilität und die Bereitschaft, vom Auto aufs Rad, den Bus oder die Bahn umzusteigen, ist kein Novum.

          Dennoch: Diesen sogenannten Paradigmenwechsel in eine städtische Stellplatzsatzung gießen zu wollen ist nicht alltäglich. Die Frage, die sich sogleich anschließt, ist, ob Offenbach nicht des Guten zu viel tut. Die Verringerung von Stellplätzen in etlichen Neubaugebieten mag manchen Investor dazu bewegen, sich in Offenbach zu engagieren, da seine Kosten sinken. Wenn jedoch der Magistrat zugleich bestrebt ist, die einzige Nord-Süd-Verbindung in der Innenstadt zu kappen, um den Marktplatz als Kettenglied zwischen der Fußgängerzone an der Frankfurter Straße und dem gastronomischen Viertel um den Wilhelmsplatz vom Durchgangsverkehr frei zu halten, stellt sich die Frage, ob das nicht der städtischen Entwicklung hinderlich ist.

          Offenbach als eine autoferne Stadt etablieren zu wollen wäre nicht nur ein realitätsferner Witz, sondern auch unhistorisch. Denn Offenbach gehört zu jenen Städten, die in den Wiederaufbaujahren nach 1945 dem Auto den absoluten Vorrang einräumten. Die in den sechziger Jahren hochangesehene „Zweite Ebene“, durch die Fußgänger auf das Stockwerk über den vorbeieilenden Autos entlang der Berliner Straße verwiesen wurden, ist zwar Vergangenheit - auch wenn ein Baurelikt dieses Wahns noch an der Ecke Berliner Straße/Marktplatz zu besichtigen ist -, aber von vielen Bürgern noch nicht vergessen.

          Die Entscheidung, in welcher Weise sich jemand von Frankfurt nach Offenbach oder umgekehrt bewegt, sollte jedem Bürger überlassen bleiben. Satzungen sind, das gilt es für die Offenbacher Stadtverordneten zu bedenken, auch ethische Setzungen.

          Anton Jakob Weinberger

          Freier Autor für die Rhein-Main-Zeitung in Offenbach.

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          Quelle: F.A.Z.

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