08.02.2012 · Frankfurt steht vor einer großen Herausforderung: Um die prognostizierten rund 30.000 Neubürger, die bis 2030 in die Stadt strömen sollen, auch unterbringen zu können, ist Phantasie gefragt.
Von Rainer SchulzeAuf den ersten Blick ist der Frankfurter Stadtplan übersät mit roten Punkten: 1360 Wohnungen in Bonames, 850 auf dem Henninger-Areal in Sachsenhausen, 100 im Wohnhochhaus an der Katzenpforte und so weiter. So addieren sich die im Wohnbauland-Entwicklungsprogramm des Stadtplanungsamts gesammelten 43 Reserveflächen zu einer stolzen Summe: Platz für 19.910 Wohnungen.
Das prognostizierte Bevölkerungswachstums aber - 2030 sollen 724.000 Frankfurter in der Stadt wohnen - relativiert diese Zahl schnell. Hinzu kommt, dass hinter vielen der Standorte, die bis 2020 bebaubar sein sollen, ein großes Fragezeichen steht. Mehr als 6000 Wohnungen sind auf Flächen geplant, die zumindest mittelfristig nicht für eine Bebauung zur Verfügung stehen.
Es ist nämlich nicht gesagt, dass die Einhausung der A 661, eines der vielversprechendsten Projekte für die Stadtentwicklung, überhaupt kommt. 2500 Wohnungen zwischen Bornheim und Seckbach stehen daher auf der Kippe. Das Silogebiet in Höchst dagegen ist wegen der Nähe zu Industriebetrieben planerisch unwägbares Gelände. Dagegen ist es immerhin nicht ausgeschlossen, dass die Umwandlung der Bürostadt Niederrad in ein gemischt genutztes Quartier tatsächlich so schnell Fahrt aufnimmt, dass dort 3000 Wohnungen gebaut werden können.
Das Wohnbauland-Entwicklungsprogramm umfasst also viele Wackelkandidaten. Die Stadt steht vor einer großen Herausforderung: Um die prognostizierten rund 30.000 Neubürger, die bis 2030 in die Stadt strömen sollen, auch unterbringen zu können, ist Phantasie gefragt. Ein Weg, die Umnutzung von Büroflächen, wird schon erfolgreich beschritten. Aber auch der Vorschlag des Geschäftsführers der Nassauischen Heimstätte, den Grüngürtel zumindest punktuell zu beschneiden, ist bedenkenswert.
Will man aber die Qualität des Grüngürtels nicht zu stark beeinträchtigen, führt an einer stärkeren Nachverdichtung kein Weg vorbei. Bauherren sehen sich bei solchen innerstädtischen Projekten allerdings schnell mit wehrhaften Bürgerinitiativen konfrontiert. Wie wenig Standvermögen die Grünen besitzen, wenn Freiflächen bebaut werden sollen, hat der Streit um die Schlosshecke in Ginnheim gezeigt. Der neue Planungsdezernent wird sich bekennen müssen, wie ernst er es mit der Nachverdichtung wirklich meint.
Flughafen vernichtet massenhaft Wohngebiete
Eugen Schmidt (HoffnungsvollerBuerger)
- 10.02.2012, 08:11 Uhr