28.09.2009 · Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, heißt es. Im Fall des Mainzer Kohleheizkraftwerks spricht allerdings kaum noch etwas dafür, dass es nach dem vom Aufsichtsrat verkündeten Baustopp jemals zum ersten Spatenstich kommen wird.
Von Markus SchugAufgeschoben ist nicht aufgehoben, heißt es. Im Fall des Mainzer Kohleheizkraftwerks spricht allerdings kaum noch etwas dafür, dass es nach dem vom Aufsichtsrat verkündeten Baustopp jemals zum ersten Spatenstich kommen wird. Das in der Region umstrittene 1,2-Milliarden-Euro-Projekt bis auf weiteres zurückzustellen und sich selbst eine Denkpause zu verordnen, war dennoch das Beste, was die Verantwortlichen in einer für sie denkbar schlechten Lage tun konnten. Sie spielen auf Zeit. Um die Finanzierung eines der großen Investitionsvorhaben in Deutschland womöglich doch noch hinzubekommen.
Zur eigenen Risikominderung verlangen potentielle Geldgeber mittlerweile eine wasserdichte Genehmigung, wie sie für die Ingelheimer Aue bisher nicht vorliegt. Der vom Gericht gerade erst verhängte Baustopp für das bereits begonnene Kraftwerk Datteln dürfte für die Banken ein eher abschreckendes Beispiel gewesen sein.
Den Kraftwerk fehlt es an politischer Rückendeckung
Außerdem fehlt es den Kraftwerken im Mainzer wie im Wiesbadener Rathaus an politischer Rückendeckung. Das sei vor drei Jahren noch ganz anders gewesen, erinnert sich der KMW-Vorstand. Und hofft darauf, dass sich der Wind in den nächsten drei Jahren auch wieder zugunsten eines laut Gutachter wirtschaftlich zu betreibenden Kohleheizkraftwerks drehen könnte. Sollte die neue Bundesregierung verstärkt auf die von vielen Bürgern ebenfalls abgelehnte Atomkraft setzen , dann – so glauben die Kohle-Befürworter – könnte es durchaus einen Meinungsumschwung geben.
Dafür will das Unternehmen gerüstet sein und eine gerichtsfeste Kohle-Genehmigung im Tresor liegen haben. So wie die KMW AG schon seit Jahren die Betriebserlaubnis für ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk in Händen hält, wenngleich sie nach eigenen Angaben leider nicht über den benötigten Brennstoff verfügt. Dass die Nachbarstädte Mainz und Wiesbaden in absehbarer Zeit allein durch die Kraft von Sonne, Wind und Biogas mit Strom versorgt werden könnten, hält der KMW-Vorstand jedenfalls für utopisch.
Der gestern verkündete Baustopp lässt nun vor allem der Politik ein wenig mehr Zeit, realistische Vorschläge für eine kommunale Energieversorgung zu entwickeln. Sollten die regenerativen Quellen nicht schnell genug ausgebaut werden können, sollte weiterhin kein Gas zu wirtschaftlich vertretbaren Preisen einzukaufen sein und es auch nicht zu einer Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke kommen, bliebe am Ende womöglich doch nur die Kohle-Lösung. Dafür will die KMW AG gerüstet sein.