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Kommentar SPD im Wiederholungszwang

06.11.2008 ·  Dass es in Hessen zu Neuwahlen kommt, daran zweifelt niemand mehr. Die traumatisierten Sozialdemokraten stehen vor einer äußerst schwierigen Aufgabe - Zeit für neue Hoffnungsträger?

Von Matthias Alexander
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Mittlerweile ist Wiesbaden ein wenig zur Ruhe gekommen. In den Köpfen der Spitzen von CDU, FDP, Grünen und Linkspartei reifen die ersten Gedanken für die Strategie im anstehenden Wahlkampf. Dass es zu Neuwahlen kommt, daran zweifelt niemand mehr, wohl nicht einmal die SPD, in der zwei Tage lang die Verschwörungstheorie hoch im Kurs stand, wonach die vier Abweichler eine schwarz-gelbe Minderheitsregierung stützen wollten.

Die traumatisierten Sozialdemokraten stehen vor einer äußerst schwierigen Aufgabe. Emotional sind sie ihrer Vorsitzenden Andrea Ypsilanti nach dem Debakel, das sie sich schlicht als Verrat von Abtrünnigen erklären, stärker denn je verbunden. Gleichzeitig wird in den Köpfen der meisten SPD-Abgeordneten die Erkenntnis reifen, dass die zweimal gescheiterte Spitzenkandidatin nur noch die vergangene Zukunft der Partei verkörpert. Früher oder später ist sie durch einen neuen Hoffnungsträger zu ersetzen.

Lehren aus den Fehlern ziehen

Angesichts der knappen Zeit bis zu Neuwahlen haben die Sozialdemokraten keine Gelegenheit, das Geschehene aufzuarbeiten und dabei Herz und Verstand in Einklang zu bringen. Im Moment sieht es danach aus, als wolle man sehenden Auges und in einer Stimmung trotziger Solidarität mit einem politisch hoffnungslosen Fall in ein Wahldebakel hineinlaufen.

Ypsilanti wird im Fall ihrer abermaligen Nominierung mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf verfallen, mit ebenjenem Programm in den Wahlkampf zu ziehen, das sie schon einmal nahe ans Ziel gebracht hat. Doch das Konzept kann nicht aufgehen, denn die Umstände haben sich dramatisch verändert. CDU, SPD und Grüne werden ihre Lehren aus den Fehlern des vorangegangenen Wahlkampfs ziehen, auf Inhalte statt auf Koalitionsaussagen setzen und auch im Ton geschmeidiger werden.

Das steht zumindest zu erwarten, ausgemacht ist es keineswegs. Die alten Verhaltensmuster haben sich trotz Kochs Charmeoffensive im Frühling noch keineswegs aufgelöst. Der SPD bleibt die kleine Hoffnung, dass ein abermals schlecht beratener Ministerpräsident Roland Koch in Lagerrhetorik zurückfällt. Oder dass Ypsilanti wider Erwarten doch auf einen neuen Anlauf verzichtet. Bleibt nur die Frage, wer an ihre Stelle treten könnte.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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