Home
http://www.faz.net/-gzg-11pl3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Schwere Sprache

06.01.2009 ·  In Hessen ist die Politik besonders stolz auf ihre Sprachförderung. Wenn jetzt noch ein einheitlicher Deutsch-Sprachtest für angehende Schüler einführt werden würde, käme das Land noch einen Schritt weiter. Bisher testet jede Schule nach eigenem Gusto.

Von Hans Riebsamen
Artikel Lesermeinungen (0)

Deutsch heißt das Zauberwort. Ohne gute deutsche Sprachkenntnisse kein guter Schulabschluss, aber auch keine gelungene Integration. Die Politik hat das mittlerweile erkannt. „Sprachförderung“ heißt ihr Mantra, immer wieder beten Politiker die Weisheit herunter: Nur wer in Deutschland die deutsche Sprache gut beherrscht, wird Erfolg haben.

In Hessen ist die Politik besonders stolz auf ihre Sprachförderung. Der Ministerpräsident und seine gefallene Kultusministerin haben nie vergessen darauf hinzuweisen, dass ihre Landesregierung als erste Vorlaufkurse verpflichtend eingeführt hat. Ein Sprachtest und gegebenenfalls Deutschunterricht vor der Einschulung nach dem Motto: Ein Kind muss Deutsch können, wenn es in die Schule kommt – das war ein richtiger Schritt. Wenn Hessen jetzt noch einen einheitlichen Sprachtest für angehende Schüler einführte, käme das Land noch einen Schritt weiter. Bisher testet jede Schule nach eigenem Gusto.

Sprachcamp

Überragende Erfolge hat diese Förderpolitik freilich noch nicht gezeitigt. Bei der Iglu-Studie, die die Lesefähigkeit und das Textverständnis von Grundschülern untersuchte, lag Hessen unter den 16 Bundesländern auf Platz 13. Zugegeben: Die Vorlaufkurse wurden 2002 flächendeckend eingeführt, bei der Erstellung der Studie im Jahr 2006 wirkten sich ihre Ergebnisse noch nicht vollständig aus. Dennoch muss man das Abschneiden Hessens als niederschmetternd bezeichnen.

Zum Glück arbeitet an der Sprachfront nicht nur die hessische Kultusbürokratie. Impulse sind in den vergangenen Jahren häufig von nichtstaatlichen Akteuren ausgegangen. Die Hertie-Stiftung war Wegbereiter für „Deutsch & PC“, bei dem sprachschwache Grundschüler in Kleingruppen Deutsch lernen, bis sie Anschluss an ihre Klasse gefunden haben. Mit dem Sprachcamp „Deutschsommer“ und jetzt mit dem „Endspurt“ während der Weihnachtsferien hat die Polytechnische Stiftung ein Modell entwickelt. Es könnte in ganz Hessen Schule machen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr