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Kommentar Schwachpunkt Wahlfreiheit

26.02.2010 ·  Scheinbar markiert das Modell Mittelstufenschule eine tiefe Zäsur. Tatsächlich enthält es nicht nur verborgene Botschaften, sondern lässt zahlreiche Fragen offen, zuallererst die, wer von den Koalitionspartnern sich darin eigentlich wiederfindet.

Von Jacqueline Vogt
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Das Wesen der Politik ist der Kompromiss, und um den wird gemeinhin hart gerungen. Das gilt vor allem für die Schulpolitik. Wie auf keinem anderen Feld werden hier Fehden ausgetragen, die zusätzlich zu ihrem Generalthema mehrere Subtexte haben. In der Diskussion um die Zukunft der Hauptschulen schwingt immer auch die Frage mit, wie es die Diskutanten mit den Ansprüchen anderer Schulformen halten und was sie zu tun bereit sind, um eine, wie es im Marketing-Deutsch wohl heißen würde, „verbrannte Marke“ zu erneuern. Wie weit die Koalition von CDU und FDP im Landtag zu gehen bereit ist, ist seit gestern für alle Interessierten klar.

Scheinbar markiert das Modell Mittelstufenschule eine tiefe Zäsur. Tatsächlich enthält es nicht nur verborgene Botschaften, sondern lässt zahlreiche Fragen offen, zuallererst die, wer von den Koalitionspartnern sich darin eigentlich wiederfindet. Ist es die FDP mit Kultusministerin Dorothea Henzler, die einst einen echten Paradigmenwechsel in Aussicht gestellt hatte? Oder ist es die CDU, namentlich deren konservativer Flügel, für die eine Abschaffung der Hauptschule nach wie vor undenkbar ist? Federn gelassen haben beide.

Kein längeres gemeinsames Lernen in absehbarer Zeit

Klar ist vor allem eines: ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder, eine Forderung von SPD und Grünen, wird es in absehbarer Zeit in Hessen nicht geben. Stattdessen sollen sich die Wege nach der vierten Klasse in zunächst zwei Spuren gabeln können. Für Gymnasien empfohlene Kinder besuchen dann ein Gymnasium, die nicht empfohlenen auch, wenn die Eltern das wollen. Die anderen sollen weitere zwei Jahre gemeinsam unterrichtet werden, bevor endgültig entscheiden wird, ob sie Realschul- oder Hauptschulabschluss anstreben. Darüber entscheiden soll die Schule.

So anhaltend der Protest von Verfechtern der Dreigliedrigkeit gegen deren Abschaffung ist, so offensichtlich ist die Schwäche des Mittelstufenmodells, jedenfalls in der Form, in der es am Freitag präsentiert wurde. Dass die Entscheidung über die endgültige Schullaufbahn um zwei Jahre nach hinten verschoben wird, ist gut, und auch, dass Hauptschüler in der Mittelstufenschule besonders gefördert werden sollen, mit dem Ziel der Vermittlung in Ausbildung. Das bedeutet eine Ausweitung des Schubklassen-Prinzips, ein klarer Punkt für die CDU.

Wahlfreiheit der Eltern ausgehebelt

Erklärungsbedürftig ist hingegen, dass in der Mittelstufenschule die Wahlfreiheit von Eltern ausgehebelt wird. Ob das zur Attraktivität beiträgt, steht dahin, und auch, ob es nicht ehrlicher wäre, die Schulformempfehlungen nach der Grundschule insgesamt verpflichtend zu machen.

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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