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Kommentar Schutzblech an Schutzblech

12.04.2010 ·  Es gab Zeiten, da waren Radfahrer ideologisch verdächtig. Einem Radfahrer sei seine politische Gesinnung anzusehen, hieß es. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei.

Von Rainer Schulze
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Es gab Zeiten, da waren Radfahrer ideologisch verdächtig. Einem Radfahrer sei seine politische Gesinnung anzusehen, hieß es. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Der (grüne) Frankfurter Verkehrsdezernent Sikorski nutzt gerne seinen Dienstwagen. Und umgekehrt treten auch treue CDU-Wähler in die Pedale. Radfahren hat heute nichts (mehr) mit Politik zu tun. Jemand, der sich gerne bewegt und ganz nebenbei auch noch etwas für die Umwelt tut, hat noch lange kein Parteibuch.

Angesichts der durch Verkehrszählungen objektiv belegten Zunahme des Radverkehrs sollte darum auch keine ideologisch verbrämte Debatte geführt werden, die auf eine Verdrängung des Autos hinauslaufen könnte. Aber den Zahlen dürfte zumindest Rechnung getragen werden: Mehr Fahrradfahrer brauchen auch mehr Platz. Eine Fahrt in Frankfurt auf der Mainzer Landstraße zwischen Platz der Republik und Galluswarte ist weiterhin halsbrecherisch. Dass dort immer noch ein dringend nötiger Fahrstreifen für Radler fehlt, obwohl Autos und Fahrradfahrer auf der breiten Straße eine friedliche Koexistenz führen könnten, ist nicht nachvollziehbar.

Andere Städte haben gute Erfahrungen mit der Umwidmung gemacht

Die Frankfurter lassen das Auto zwar immer häufiger stehen, sie verzichten aber noch lange nicht darauf. Denn die Zahl der Zulassungen hat sich nicht nennenswert verändert. Das bedeutet, dass weiterhin Parkraum notwendig ist. Wer fordert, ihn ersatzlos wegzunehmen, um Radfahrern und Fußgängern mehr Platz zu gönnen, ist unrealistisch.

Andere Städte haben gute Erfahrungen mit der Umwidmung von Parkplätzen gemacht, sofern Ersatz geschaffen wurde. Es ist zu überlegen, ob nicht im selben Maße wie neue Parkhäuser oder Tiefgaragen entstehen, die Parkplätze im öffentlichen Raum umgewidmet werden könnten.

Dadurch ließe sich die Situation auf jenen Straßen entspannen, wo es notorisch eng wird. Die Berger Straße etwa ist für Radler nicht aufwärts befahrbar. Das Verbot schreckt leider viele Radfahrer dennoch nicht ab. Sie quetschen sich an den Autos vorbei oder, schlimmer noch, weichen auf den Gehweg aus. Eine geänderte Parkordnung könnte dort Abhilfe schaffen.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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