22.12.2006 · Die Kirche zwischen Kaufhof und Kinopolis: Katholiken und Protestanten veranstalten im Main-Taunus-Zentrum noch einmal gemeinsam eine Bühnenshow, wie an jedem Adventssamstag - mit Musik, „Talk“, Aktionen.
Von Stefan ToepferDie Kirche zwischen Kaufhof und Kinopolis: Katholiken und Protestanten veranstalten im Main-Taunus-Zentrum noch einmal gemeinsam eine Bühnenshow, wie an jedem Adventssamstag - mit Musik, „Talk“, Aktionen. Mit dem samstäglichen Programm und ihrer täglichen Präsenz in einem zu einem Besinnungs- und Gesprächszentrum umgebauten Bus wollen die Kirchenleute den Sinn der Passanten dafür schärfen, daß man sich vor Weihnachten nicht nur Gedanken über Einkäufe machen kann, machen sollte. Mühsam ist das mitunter. Aber auch das heutige Programm mit mehr als 25 Einheiten im Viertel-Stunden-Takt steht. Abwechslung muß offenbar sein. Nur nicht langweilig wirken in der bunten Welt zwischen Kaufhof und Kinopolis.
Die geistliche Welt der Kirche ist die zwischen Krippe und Kreuz. Zwischen Geburt, Tod und Auferstehung Christi. Und es scheint, als stoße diese Welt in jüngerer Zeit auf mehr Interesse, auch ohne Bühnenshow. Das zeigen manche Gespräche im Kirchenbus auf dem Gelände des Main-Taunus-Zentrums. Das zeigen Erfahrungen, von denen die evangelische Pfarrerin Lisa Neuhaus und ihr katholischer Kollege Harald Klein berichten.
Suche nach Orientierung
Sie begegnen mehr Menschen auf der Suche nach Orientierung und Schutz in einem ungewissen Leben. Mehr Menschen, die die Frage nach einem Leben nach dem Tod beschäftigt. Von Schutz und Orientierung sprechen gerade die Weihnachtsgeschichten im Neuen Testament: dem Schutz für das Kind im Stall, der Wegweisung, die ein Stern bot.
Die Suche danach gehört zu dem, was gerne die „Wiederkehr von Religion“ genannt wird. „Nach Jahrzehnten, in denen die Religion in Deutschland auf dem Rückzug war, mehren sich seit einigen Jahren die Hinweise darauf, daß sich die Menschen wieder etwas mehr dem Glauben zuwenden“, analysiert das Institut für Demoskopie Allensbach vorsichtig. Die beiden Pfarrer spüren jedenfalls, daß das Interesse am christlichen Gottesbild oder an kirchlichen Riten steigt - auch wenn Christen nach wie vor Außenseiter seien, wie Klein sagt.
Beide Pfarrer wissen, daß sich manche Glaubensvorstellungen, mit denen Menschen zu ihnen kommen, nicht im Rahmen kirchlicher Dogmen bewegen. Da wird beispielsweise der Jenseitsglaube schon einmal mit Wiedergeburtsphantasien verknüpft. Trotzdem verhielten sich die Kirchen grundfalsch, suchten sie nur das Gespräch mit den schon Überzeugten, den Mitgliedern der sogenannten Kerngemeinden. Deswegen sollen sie ruhig präsent sein zwischen Kaufhof und Kinopolos - wenn sie darüber die eher leise Suche von Menschen zwischen Krippe und Kreuz nicht übersehen.