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Kommentar Schüler protestieren, Politiker reden

 ·  Tausende junge Leute haben in Hessen am Unterrichtsboykott teilgenommen und friedlich ihre Anliegen vorgetragen. Die Politik hat das Thema Bildung schnell für sich vereinnahmt. Besser wäre es, zusammenzuarbeiten.

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Der Erfolg hat viele Väter. Wenn etwas gut läuft oder Aufmerksamkeit erregt, will auch der im Licht stehen, der für die Helligkeit nichts kann. Wie dieser Mechanismus in der Politik funktioniert, zeigt die Betrachtung des Unterrichtsboykotts in Hessen. Tausende junge Leute haben daran teilgenommen und offenbar überall friedlich ihre Anliegen vorgetragen. Über die Sinnhaftigkeit des Fernbleibens vom Unterricht als Zeichen des Protests gegen schlechte Ausbildung kann man streiten, muss man aber nicht. Wohl aber darüber, ob es richtig ist, dass Aktionen, die Jugendliche vorbereitet und organisiert haben, von Politikern und Funktionären nachgerade besetzt werden.

Natürlich fand der Boykott nicht im luftleeren politischen Raum statt. Die ihn ausgerufen haben, gehören dem linken Spektrum an. Und natürlich ist das Generalthema des Protestes – Kritik an der Gymnasialzeitverkürzung, am dreigliedrigen Schulsystem – eines, das im wiederaufziehenden hessischen Wahlkampf Aufmerksamkeit erregt und geradezu einlädt, Diskussionen entlang der bekannten Konfrontationslinien zu führen. Es lässt sich den Schülern nicht unterstellen, dass sie das wollten (schon gar nicht denen, die weniger aus tiefer Überzeugung denn aus Spaß an unterrichtsfreier Zeit demonstrierten).

Nun müssen Gespräche geführt werden

Vorwerfen kann man es manchem anderen, der zu dem Thema sprach, vom Vorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bis zum neuen SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. Der nutzte die Gunst der Stunde, seine Unterstützung für den Kampf gegen „miserable CDU-Bildungspolitik in Hessen“ anzukündigen. Auch Grüne und FDP waren unter denen, die Verständnis für die Jugend auf der Straße verkündeten, die Linke hatte von vornherein sympathisiert. Je höhere Teilnehmerzahlen gemeldet wurden und je verlässlicher, desto mehr Äußerungen wurden laut.

Kein schlechtes Bild hat mit seiner Stellungnahme der geschäftsführende Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) gemacht, der den Boykott als Ausdrucksform kritisierte, nicht aber das dahinterstehende Diskussionsbedürfnis. Banzer funkte Gesprächsbereitschaft. Vielleicht nehmen die Angesprochenen das Signal ja auf, das könnte interessant werden.

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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