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Kommentar Schluss mit dem Sorglos-Versand

 ·  Willkommen im 21. Jahrhundert, verehrte Frankfurter Politikverwaltung. Erste Berechnungen aus Duisburg zeigen, dass eine Kommune viel Geld einsparen kann, wenn sie auf Druck und Versand der Unterlagen verzichtet.

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Willkommen im 21. Jahrhundert, verehrte Frankfurter Politikverwaltung. Seit Jahren schon fragen sich Außenstehende, warum die Stadtverordneten und Ortsbeiratsmitglieder eigentlich alle Anträge, Anfragen, Vorlagen, Einladungen, Tagesordnungen und sonstigen Dokumente immer noch ausgedruckt und zugeschickt bekommen. Schließlich gibt es längst ein übersichtliches digitales Parlamentssystem im Internet, das dieselben Unterlagen bereitstellt und das außerdem aktueller ist als der Postversand. Über dieses Portal lassen sich Dokumente gezielt ausdrucken, passend zum Thema und zur Sitzung.

Erste Berechnungen aus Duisburg zeigen, dass eine Kommune viel Geld einsparen kann, wenn sie auf Druck und Versand der Unterlagen verzichtet. Es ist deshalb gut, dass sich nun auch die Frankfurter Fraktionen und das Stadtverordnetenbüro mit diesem Thema befassen. Eine knifflige Aufgabe dürfte es werden, auch die 284 Ortsbeiräte in ein neues System einzubinden. Ihnen weiterhin Gedrucktes zukommen zu lassen würde das Konzept konterkarieren. Und dass sich fortan zwei städtische Mitarbeiter statt um den Versand um die Softwarepflege digitaler Lesegeräte kümmern, kann nicht Sinn der Sache sein.

Aspekt des Umweltschutzes

Außer dem finanziellen Aspekt sollte für eine Stadt, die sich gerne und überall als „Green City“ preist, der Aspekt des Umweltschutzes eine wichtige Rolle spielen. Tausende, oft gefärbte Blätter Papier, die meist nur zu einem Bruchteil gelesen werden, passen da nicht ins Konzept.

In einer Zeit, in der sich immer mehr Stadtverordnete während der Plenarsitzung im Rathaus Römer mit einem Tablet-PC letzte Informationen zur Debatte holen (oder sich Computerspielen hingeben), ist es der übergroßen Mehrheit der Volksvertreter jedenfalls zuzumuten, auf den „Wir-drucken-alles-für-alle-rundum-sorglos-Service“ des Stadtverordnetenbüros zu verzichten. Falls es tatsächlich Mandatsträger in der größten hessischen Kommune gibt, die noch keinen Internetanschluss haben oder aus anderen Gründen die Unterlagen unbedingt in Papierform benötigen, sollen sie das Material auch weiterhin auf diesem Weg erhalten. Aber das muss im Jahr 2012 wirklich die Ausnahme sein.

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Jahrgang 1977, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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