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Kommentar Schätze für die Ewigkeit

12.03.2009 ·  Hessens Staats- und Stadtarchive haben sich recht gut gewappnet gegen das Feindespaar Feuer und Wasser. Für eine Verfilmung der Bestände fehlt in den Städten allerdings das Geld.

Von Hans Riebsamen
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Man hat in Köln die beiden Hauptfeinde jedes Archivs sehr wohl gekannt: Feuer und Wasser. Das Stadtarchiv dort war denn auch ordentlich gerüstet gegen einen Brand oder eine Überschwemmung. Nur nicht gegen einen Einsturz. Doch wer hätte sich auch vorstellen können, dass – mutmaßlich – Erdverwerfungen in Folge eines U-Bahn-Baus das stabile Gebäude zusammenbrechen lassen würden. Gegen ein solches Unglück schützt die beste Vorsorge wohl nicht.

Auch Hessens Staats- und Stadtarchive haben sich recht gut gewappnet gegen das Feindespaar Feuer und Wasser. Das Land hat seine drei Staatsarchive offensichtlich nicht vernachlässigt, die Kommunen, allen voran Frankfurt, sorgen in der Regel gut für ihre Stadtarchive. Bei einem Jahrhundert-Unglück wie in Köln, das sich auf unerwartete Weise ereignete und in neuer Form das deutsche Archivwesen irgendwann einmal wieder treffen wird, würden Staatsarchive und Stadtarchive und damit unser historisches Gedächtnis unterschiedlich hohen Schaden erleiden. Denn die Staatsarchive besitzen im Gegensatz zu den Stadtarchiven zumindest von einem Teil ihrer Bestände Sicherheitskopien, gelagert in einem Stollen im Schwarzwald.

Bevölkerung ist auf den Wert der Quellen aufmerksam geworden

Sollen jetzt auch die Stadtarchive damit beginnen, ihre Bestände zu verfilmen? Die historisch Interessierten hätten gewiss nichts dagegen. Doch diese Erwartung ist unrealistisch, dafür fehlt den Städten das Geld. Allenfalls an die Sicherheitsverfilmung eines Kernbestandes von besonders wichtigen Dokumenten wäre zu denken. Die Kommunen sollten ihre begrenzten Mittel lieber in die Infrastruktur ihrer Archivbauten investieren: in modernsten Brandschutz, in eine ausgeklügelte Klimatisierung, in einen möglichst perfekten Schutz gegen Wasser und Feuchtigkeit.

Bei allen schmerzhaften Verlusten hat das Unglück von Köln doch auch seine heilsame Seite. Es hat die Bevölkerung darauf aufmerksam gemacht, welch einmalige Schätze in den Archiven lagern – das Gedächtnis des Landes und des Volkes. Wer erfahren möchte, was historischer Gedächtnisverlust bedeutet, muss nur einmal ins südhessische Lorsch fahren, sich die karolingische Königshalle anschauen und zum Beispiel mit dem sieben Jahrhunderte früher entstandenen Pantheon in Rom vergleichen. Zweifellos ist die Halle für ihre Zeit ein beeindruckendes Bauwerk, doch vom architektonischen Wissen der Römer war zu dieser Zeit nur noch wenig vorhanden. Ordentliche Archive mit dem gesammelten Wissen der alten Zeit hätten womöglich den kulturellen Absturz verhindert.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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