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Kommentar Schade eigentlich

19.02.2012 ·  Fast war man als Lokalpatriot schon ein wenig pikiert: Alle möglichen Namen wurden in der heiteren Bundespräsidenten-Castingshow genannt, nur nicht der Petra Roths.

Von Peter Lückemeier
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Fast war man als Lokalpatriot schon ein wenig pikiert: Alle möglichen Namen wurden in der heiteren Bundespräsidenten-Castingshow genannt, auch eher entlegene, nur auf eine nahe liegende Möglichkeit schien niemand zu kommen, auf Petra Roth. Man tröstete sich mit dem Hinweis der Fachleute, dass jene, die sehr schnell ins Gespräch kämen, am Ende gar keine Chancen hätten, aber dann fiel, am Samstag, zum ersten Mal auch öffentlich Roths Name. Rein zufällig wäre sie ja auch noch frei gewesen, und sie hatte unmissverständlich klar gemacht, dass sie sich für den Ruhestand viel zu fit fühle. Für ein paar Stunden konnten sich die Frankfurter einer schönen Illusion hingeben: unsere Oberbürgermeisterin im Schloss Bellevue, auf Staatsbesuch im Weißen Haus, das Stadtoberhaupt als Staatsoberhaupt!

Doch dann zerplatzte der Traum. Wegen der FDP. Nicht wegen der hiesigen, der liberale Stadtverordnete Stefan von Wangenheim hatte sich unverzüglich für Roth ausgesprochen. Sondern wegen der Bundesführung. Rösler & Co. machten die Gleichung auf: Roth plus Grün in Frankfurt ergibt falsches Signal für Schwarz-Gelb in Berlin. So einfach kann Politik sein. Und so weit weg von sachlicher Prüfung.

Allein die Nennung ist ein kleiner Trost

Denn jetzt einmal im Ernst: Petra Roth gäbe gewiss eine gute Bundespräsidentin ab. Als Präsidentin des Städtetags ist sie bei vielen Bürgern bekannter, als es Horst Köhler damals bei seiner Kandidatur war. Roth hat die Stadt Frankfurt würdig, aber nie verkrampft repräsentiert, sie hat inmitten einer konservativen Landespartei die bürgerlich-liberale Position in Frankfurt vertreten, hat dazu beigetragen, dass die Koalition zwischen CDU und Grünen alles in allem harmonisch funktioniert und hat in ihren Ansprachen oft den richtigen Ton gefunden. Schwächen in der Behandlung komplexer Themen oder manches Irrlichtern bei frei gesprochenen Reden hat man ihr verziehen. Und sie hat Steherqualitäten bewiesen, auch gegen parteiinternen Widerstand oder gegen Volkes Stimme etwa bei der Diskussion um die Moschee im Stadtteil Hausen.

Schade also für Petra Roth und auch ein bisschen für uns Lokalpatrioten. Aber überhaupt genannt zu werden für das höchste Staatsamt, ist ja auch schon ein kleiner Trost.

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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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