19.11.2006 · Zutrauen würden wir es ihm: Ganz bewußt hat er die Debatte über die Pendlergebühr entfacht, als Coup geradezu, mit dem einen Ziel - bekannter zu werden. Denn das ist nach wie vor Franz Freys größtes Manko.
Von Günter MickZutrauen würden wir es ihm: Ganz bewußt hat er die Debatte entfacht, als Coup geradezu, mit dem einen Ziel - bekannter zu werden. Denn das ist nach wie vor sein größtes Manko. Und so hätte Franz Frey, der Ende Januar als Kandidat der SPD Frankfurter Oberbürgermeister werden will, sich doch mehr dabei gedacht, als man annehmen möchte, als er mit dem Vorschlag einer Pendler-Maut für Furore sorgte.
Teilerfolg - man sprach plötzlich über ihn. Die Tendenz war zwar eher negativ, kritisch ob der regional- und stadtpolitisch kaum nachvollziehbaren Idee, bei der Einfahrt nach Frankfurt Pendler abzukassieren, denen die Stadt schließlich zu einem gut Teil ihre wirtschaftliche Properität verdankt. Aber - Franz Frey, das nun nicht mehr ganz so unbekannte Wesen. Auch Negativwerbung ist Werbung.
Popularität ist Roths stärkste Trumpfkarte
Doch auf diese Weise, mit werblichen Schockmeldungen allein wird er kaum den Oberbürgermeisterstuhl erobern können. Dazu gehört ein durchstrukturiertes politisches Konzept, das in dem Bündel vorgetragener Einzelabsichten bisher kaum sichtbar wurde. Dazu gehört aber vor allem der mit hohem persönlichen Einsatz glaubwürdig erkennbar werdende Anspruch, die Stadt politisch konsequenter, durchdachter führen zu können als die um die Wiederwahl kämpfende CDU-Politikerin Petra Roth. Und dies müßte der Mehrheit der Wähler auch so plausibel erscheinen, daß sie zu dem Ergebnis kommen könnten, nach zwölf Jahren Roth sei ein Wechsel nicht abwegig. Die Amtsinhaberin jetzt damit zu zwicken, daß sie in schwieriger Situation einem Parteifreund zu der so hohen Ehre eines Fastnachtsprinzen verhalf, reicht dafür eher nicht.
Roth oder Frey, Frey oder Roth? Nach wie vor spricht vieles für die Amtsinhaberin, es sei denn, die Wähler kämen zu dem Schluß, Popularität, Roths stärkste Trumpfkarte, sei auf ewige Zeiten kein Wert an sich. Und auch das Gros der Grünen-Wähler hätte nicht vergessen, wie sehr ihre Funktionäre im Römer Roths politisches Format in Abrede gestellt hatten, bevor sie sich mit der CDU verbündeten. Es sei denn auch, es mache sich Unbehagen breit, wie Roth mit der schwarz-grünen Mehrheit Macht ausübt. Was sich im Stadtparlament am Donnerstag abgespielt hat, daß die schwarz-grüne Riege mit Roth an der Spitze ein Maß an Redezeit für sich okkupierte, daß die Opposition ins nächtliche Abseits gedrängt wurde, widerspricht dem Respekt vor politisch-demokratischen Gepflogenheiten. Das zeugt von kaum zu überbietender Überheblichkeit. Und die Grünen, die einstigen Basis-Demokraten, spielen mit. Der Gedanke könnte sich da schon einschleichen, zwölf Jahre seien sehr, sehr viel Zeit.