Attacken auf Personen, Plünderung, Sachbeschädigung: der Gewaltausbruch an der Frankfurter Goethe-Universität nach der studentischen Vollversammlung am Mittwoch ist erschreckend. So aggressiv sind Randalierer, die es auch während der Proteste gegen die Studiengebühren gegeben hat, noch nie vorgegangen. Wieder scheinen sie nicht aus den Reihen der Studentenschaft, sondern aus der sogenannten Antifaschisten-Szene zu kommen.
Zumindest mitgemacht haben aber offenbar auch Studenten, glaubt man etwa dem Internet-„Protestplenum“, das sich mit den Taten auf dem Campus Westend brüstet. Und selbst Nadia Sergan, die AStA-Vorsitzende, lässt sich mit den Worten zitieren: „Eine super Aktion.“ Offiziell solidarisiert sich der AStA mit den „Besetzern“. Mehrere AStA-Mitglieder haben allerdings die Gewalt verurteilt, die nicht ihren Zielen diene, nämlich der Bekämpfung „neoliberaler Bildungspolitik“ und der Verflechtung von Wirtschaft und Hochschule. Dass einige Studenten nun ihre gewählten Vertreter schriftlich dazu auffordern, sich von der Gewalt zu distanzieren, spricht Bände.
Symbol für privatwirtschaftliche Interessen
Doch der Riss, der durch die Studentenschaft geht, ist nicht der einzige. Der andere Riss sollte auch der Hochschulleitung zu denken geben. Viele Studenten, die selbst niemals bei einer solchen Attacke mittäten, blicken mit Skepsis auf das „House of Finance“, das manche in „Karl Marx Haus“ umbenennen wollen. Das neue Institut, das von Privatwirtschaft und Hochschule gemeinsam betrieben wird, steht mitten im Campus als Symbol für alles, was gerade angesichts der Finanzkrise junge Leute die Zukunft fürchten lehrt.
Der neue Campus wächst rasch, die Leitung der neuen Stiftungsuniversität blickt vor allem auf die Stadtgesellschaft und darauf, dort Wohlwollen und Geld zu akquirieren. Vielleicht ist darüber das Bewusstsein ins Hintertreffen geraten, dass nicht nur die Gebäude und das Renommee wachsen müssen. Gerade in Zeiten von Bologna-Prozess, Bachelor und Studienkrediten muss auch am akademischen Geist von Lehrenden und Lernenden gearbeitet werden. Dazu gehört, dass alle Wohlmeinenden das Gefühl haben können, es sei auch ihre Universität.