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Kommentar : „Reli“ ist auch Sache der Eltern

Der islamische Religionsunterricht ist ein Erfolg für die Hessen-FDP Doch ob „Reli“ ein normales Schulfach bleibt, wird nicht nur in den Kultusministerien entschieden.

          Ein ganz normales Fach wie Rechnen oder Lesen, wie Kultusministerin Nicola Beer (FDP) meint, wird der Islamunterricht an hessischen Schulen gewiss nicht sein, jedenfalls nicht gleich im nächsten Schuljahr. Doch das macht nichts, im Gegenteil: Alles spricht dafür, das Fach als etwas Neues aufmerksam zu beobachten. Dabei wäre vorgefasste Ablehnung ebenso dürftig wie voraussetzungslose Schwärmerei, die vor allem jene an den Tag legen, die sich sonst im Lächerlichmachen alles Religiösen gar nicht genug hervortun können.

          Was die Landesregierung unternehmen konnte, um dem begründeten Teil der Skepsis gegen den bekenntnisorientierten Islamunterricht Rechnung zu tragen, hat sie getan. Das Grundgesetz verlangt, dass Religionsunterricht „in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften“ erteilt wird. Eine Religionsgemeinschaft im Sinne einer einheitlichen Vertretung aller Gläubigen kennt der Islam jedoch nicht. Deshalb akzeptiert Hessen den Landesverband der türkischen Moscheengemeinschaft Ditib und die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde als Partner. Das ist ein vertretbarer Kompromiss, der zudem nach sorgfältiger Prüfung zustande kam.

          Weltliche Stein weggeräumt

          Dennoch bleibt eine Rest-Skepsis gegenüber dem Ditib-Verband, den manche für den langen Arm der türkischen Religionsbehörde halten. Es gibt genügend Hinweise, dass das nicht ganz falsch ist, andererseits bietet die Beteiligung am Islamunterricht ausreichend Gelegenheit, Ditib beim Wort zu nehmen.

          Auch ganz weltliche Steine hat die Landesregierung aus dem Weg geräumt. Die FDP kann seit längerem wieder einmal einen Erfolg öffentlich verbuchen, nachdem Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) das Klassenbuch im Fach G8 zuletzt fest in seiner Direktorenhand gehalten hatte. Und wer weiß, ob nach der Landtagswahl in etwa einem Jahr ein schwarz-grünes Bündnis nicht doch eine zumindest arithmetische Option wird. Wenn ja, dann brauchte man sich über den Islamunterricht schon nicht mehr zu streiten.

          Ob „Reli“, welchen Bekenntnisses auch immer, ein ganz normales Schulfach bleibt, wird ohnehin nicht nur in den Kultusministerien entschieden. Eltern, die meinen, Schulen müssten ihre Kinder erziehen, täuschen sich. Schulen müssen unterrichten - zu einer Haltung erziehen müssen die Eltern ihre Kinder schon selbst.

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