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Kommentar Reelle Fahrpreise

06.07.2009 ·  Wenn am Montag der Rhein-Main-Verkehrsverbund die Höhe seiner routinemäßigen Preiserhöhung zum Jahresende bekanntgibt, wird er wie immer Proteste ernten. Die Tickets im RMV seien schon jetzt teuer genug, wird es heißen.

Von Hans Riebsamen
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Wenn am Montag der Rhein-Main-Verkehrsverbund die Höhe seiner routinemäßigen Preiserhöhung zum Jahresende bekanntgibt, wird er wie immer Proteste ernten. Die Tickets im RMV seien schon jetzt teuer genug, wird es heißen. Die ärmeren Schichten könnten sich bald die Fahrten mit Bussen und Bahnen nicht mehr leisten. Anderswo müssten die Fahrgäste weniger zahlen.

Letzteres ist in der Tat so. In Berlin etwa sind die Fahrscheine deutlich günstiger als im Rhein-Main-Gebiet. Dafür haben die Berliner Verkehrsbetriebe hohe Schulden und häufen immer noch höhere an. Zudem kann wegen der dortigen Finanzmisere nicht genug ins Netz investiert werden, die Anlagen und Fahrzeuge in der Hauptstadt sind nicht gerade in bestem Zustand.

Ohne Fahrpreiserhöhungen wären die Kommunen und Kreise in der Pflicht

Wer wollte solche Verhältnisse auch im Rhein-Main-Gebiet haben? Der RMV finanziert sich stärker als die meisten anderen Verbünde in Deutschland mit Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf. „Und das ist gut so“, würde der Regierende Bürgermeister von Berlin sagen – wenn er in Frankfurt oder Wiesbaden Oberbürgermeister wäre. Von einem Kostendeckungsgrad von 54 Prozent wie beim RMV wagt Klaus Wowereit bei seinen Verkehrsbetrieben nicht einmal zu träumen.

Verzichtete der RMV auf Fahrpreiserhöhungen, wären einfach nur die Kommunen und Kreise stärker in der Pflicht. Sie müssten die Löcher mit Steuergeldern stopfen. Andernfalls wären sie gezwungen, den Takt und die Bedienungszeiten auf bestimmten Linien zu verringern oder manche Verbindungen ganz zu streichen.

Je weniger der Nahverkehr von öffentlichen Zuschüssen abhängt, desto verlässlicher ist er

Als 2006 der Bund die Regionalisierungsmittel für den öffentlichen Nahverkehr kürzte, sahen sich viele Städte und Kreise gezwungen, ihr Verkehrsangebot zu reduzieren. In einem Kraftakt ohnegleichen, zu dem unter anderem eine happige Preiserhöhung von 5,9 Prozent gehörte, konnte der RMV dagegen seine Leistungen aufrechterhalten.

Die Lehre daraus: Je weniger der Nahverkehr von Zuschüssen der öffentlichen Hand abhängt, desto verlässlicher ist sein Angebot. Das wird man demnächst sehen, wenn Kommunen und Kreise ihre Steuerausfälle durch Sparmaßnahmen zu kompensieren versuchen werden. Preiserhöhungen, wie der RMV sie traditionell am Ende eines Jahres seinen Kunden auferlegt, sind also gerechtfertigt – wenn sie moderat bleiben.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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