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Kommentar Ranking ist nicht alles

21.08.2007 ·  Gegen Bildungsstatistiken ist nichts einzuwenden. Gegen die Art, wie manchmal damit umgegangen wird, schon. Es ist irritierend, dass die Wirtschaft Forderungen an die Schul- und Bildungspolitik stellt. Zum Beispiel im Bildungsmonitor.

Von Jacqueline Vogt
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Das ahnt noch keines dieser Mädchen, ahnt kein Junge, dass seine Schritte in den nächsten Jahren den Stoff liefern werden, aus dem die Diskussionen sind. Für gut 56.000 Erstklässler hat die Kindergartenzeit geendet, mit der Schultüte in der Hand sind sie einem neuen Lebensabschnitt entgegengegangen.

Wie sie den bewältigen, welche Erfolge sie in der Schule erringen, wo sie scheitern: es wird festgehalten und Teil der Statistik werden. Anzahl der Kinder, die nach der Grundschule aufs Gymnasium gehen oder auf die Hauptschule, Zahl der Sitzenbleiber, Zahl der Querversetzten – alles wird notiert. Dagegen ist nichts einzuwenden. Gegen die Art, wie manchmal mit Zahlen umgegangen wird, schon. Zum Beispiel im sogenannten Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Ausbruch des Tabellenfiebers

Aus einem Vergleich von Bildungsdaten aller Länder wird ein Ranking erstellt, das aufs erste Hinsehen informativ erscheint. Beim zweiten Blick kann man „das ungute Gefühl“ des Vorsitzenden des Hessischen Philologenverbands verstehen (siehe: Kritik am Bildungs-Ranking). Die deutsche Wirtschaft, in diesem Falle sind das die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie, klagt, es gebe zu wenige Ingenieure. Schiebt die Beweisführung hinterher, dass es nicht ausreichend Hochschulabsolventen entsprechender Fächer gebe, in Hessen noch ein paar weniger als im Bundesdurchschnitt. Das ist ihr gutes Recht, und wenn eine Beschwerde mit Zahlen belegt wird – warum nicht. Das kann Augen öffnen, Diskussionen anstoßen.

Irritierend ist aber, dass seit ein paar Jahren die Forderungen der Wirtschaft an die Schul- und Bildungspolitik und die Äußerungen ihrer partikularen Interessen immer lauter vorgetragen werden. Es genügt nicht mehr zu sagen, dass Naturwissenschaftler und Techniker fehlen, dass die Anzahl von Ganztagsschulen und Angeboten zur Kleinkinderbetreuung die Erwerbsquote von Frauen erhöhen würde und die Zahl der künftigen Rentenbeitragszahler vielleicht auch.

Seit dem Pisa-Schock ist eine Art Tabellen- und Rankingfieber ausgebrochen, offenbar in der Annahme, dass nur das Bildhaftmachen des Stellenwerts der Länder die verantwortlichen Politiker zum Handeln bewegen kann. Auf der Strecke bleibt dabei die Analyse von Hintergründen und Zusammenhängen, so wie heute nur der Ruf nach Technikern und Ingenieuren zu hören ist und nach Geisteswissenschaftlern niemand schreit. Doch die Frage zum Beispiel, warum junge Menschen sich offenbar nicht in ausreichendem Maß für Naturwissenschaften interessieren, wird man mit solchen Instrumenten allein kaum beantworten können.

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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