15.04.2008 · Der neue Kultusminister Banzer zeigt sich nach allen Seiten pragmatisch. Da steht mit der Ankündigung der SPD, einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Querversetzung einzubringen, eine Probe aufs parlamentarische Exempel bevor.
Von Jacqueline VogtDas geht ja ziemlich schnell. Gerade noch nimmt man wahr, wie sich der neue Kultusminister Jürgen Banzer (CDU) nach allen Seiten pragmatisch, offen und gesprächsbereit zeigt. Hört, wie Stück für Stück Positionen der früheren Opposition im Landtag auf der Bewertungsskala des Ministeriums von indiskutabel zu bedenkenswert heraufgestuft werden (Dreigliedrigkeit ja, aber was spricht eigentlich gegen integrierte Systeme? Und die verpflichtende Ganztagsschule kann durchaus ein Modell sein). Da steht mit der Ankündigung der SPD, einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Querversetzung einzubringen, eine Probe aufs parlamentarische Exempel bevor.
Einmal zugestanden, dass diese Initiative vor allem der Profilschärfung in der unübersichtlichen Landtags-Gemengelage dient und deshalb jede Fraktion Farbe bekennen muss – die Grünen haben sogleich eine eigene Initiative angekündigt –, heißt das: Die SPD fährt ein schweres Geschütz auf. Und sollte sie dafür eine Mehrheit finden, würde das an den Schulen etwas verändern. Dass es zum Guten wäre, ist nur sehr schwer vorstellbar.
Die Geschichte der sogenannten Querversetzungen in Hessen ist kurz. In der jetzigen Form gibt es sie erst seit 2005. Damals war nach dem „Dritten Gesetz zur Qualitätssicherung an hessischen Schulen“ die Möglichkeit des Verweises an einen anderen Bildungsgang bis zur Jahrgangsstufe sieben erweitert worden. Unabhängig von der Empfehlung der abgebenden Grundschule und auch gegen den Willen der Eltern können schwache Schüler heute in die nächstniedrigere Schulform versetzt werden. Voraussetzung: Eine erfolgreiche Mitarbeit des Schülers ist nicht zu erwarten, und eine Wiederholung der Jahrgangsstufe würde ihn in der Entwicklung erheblich beeinträchtigen. Dass das ein Selektionsinstrument sei, haben schon viele kritisiert, man kann es aber auch anders sehen.
Die Rote Karte der Querversetzung gab es auch früher schon. Da musste ein Schüler halt zweimal sitzengeblieben sein, ehe er des Gymnasiums verwiesen wurde. Dass es so weit nicht mehr kommen muss, ist ein Fortschritt, der auch im Interesse der Schüler liegt – es sei denn, man unterstellte Lehrern und Klassenkonferenzen einen leichtfertigen Umgang mit dem Instrument der Querversetzung. Und das zu tun hieße vor allem, populistisch daherzureden.
Jacqueline Vogt Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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