24.08.2008 · Der Weg von Andrea Ypsilanti zur Macht in Hessen könnte mit Probeabstimmungen gepflastert sein: Wie wäre es mit Probesitzen auf der Regierungsbank oder mit Probeliegen auf den Canapés in der Dienstvilla des Ministerpräsidenten?
Von Helmut SchwanVor oder nach den Koalitionsverhandlungen? Oder währenddessen? Und warum eigentlich nicht, wie die Linke fröhlich angeboten hat, jeden Tag: Der Weg von Andrea Ypsilanti zur Macht in Hessen könnte, wenn er denn beschritten wird, mit Probeabstimmungen gepflastert sein. Die Grünen fordern eine solche Vergewisserung durch den sozialdemokratischen Partner schon vor der Aufnahme von Gesprächen. Die SPD ziert sich noch und will einen Test erst wagen, wenn die Fundamente für das rot-grüne Bündnis gelegt sind.
Seltsamerweise sind die Sozialdemokraten nicht auf die Idee gekommen, als Retourkutsche vom potentiellen Juniorpartner einer Minderheitsregierung Gleiches zu fordern nach der Devise „Nur wenn du mir dein Ergebnis zeigst, zeige ich dir meins“.
Wenn man aber schon dabei ist, kann noch viel mehr getestet werden, bevor sich Rot-Grün ins wilde Abenteuer einer Tolerierung durch die Linken stürzt. Wie wäre es zum Beispiel mit Probesitzen auf der Regierungsbank oder mit Probeliegen auf den Canapés in der Dienstvilla des Ministerpräsidenten? Die steht ohnehin die meiste Zeit ungenutzt herum.
Nur die Schlapphüte können mitgehört und geplaudert haben
Überhaupt bleibt, weil die SPD vor der Bayern-Wahl zaudert, noch viel Raum und Zeit, um sich gegenseitig zu zeigen, wie sattelfest die Kombattanten bei den kniffligen Themen sind. Zum Beispiel will die Linke, wie sie an diesem Wochenende hat wissen lassen, nur eine Landesregierung unterstützen, die gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens sei.
Das lässt sich ganz locker fordern. Schließlich ist schon Ende vergangenen Jahres die Genehmigung erteilt worden. Ein Beschluss des Parlaments, Nachtflüge zu verbieten oder das internationale Drehkreuz doch so zu lassen, wie es ist, würde unter „Sonstiges“ abgeheftet. Am besten versammeln sich die Fraktionen von SPD, Grünen und der Linke demnächst einmal auf der Besucherterrasse des Flughafens zu einem Teach-in.
Und warum sollte sich nicht die Sorge der Linken, noch als Partei, die die Regierung stützt, vom Verfassungsschutz beobachtet zu werden, schon jetzt durch einen kleinen Scherz in Wohlgefallen auflösen lassen? Linke-Fraktionschef Willi van Ooyen müsste mit Andrea Ypsilanti ein „streng vertrauliches“ Telefonat verabreden und ihr dabei zuflüstern, dass er ihr Kabinett nur toleriere, wenn in Hessen die Banken verstaatlicht würden. Käme alsbald dieser „Skandal“ ans Tageslicht, dann können nur die Schlapphüte mitgehört und geplaudert haben. Die Linke wäre sie los. Ein für alle Mal.
Helmut Schwan Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Jüngste Beiträge