06.05.2008 · Im besten Fall bringt das städtische Kostenfiasko beim Deutschen Turnfest drei erfreuliche Ergebnisse. Erfreulich ist etwa, dass eingespartes Geld in Schulen oder Sportplätze investiert werden kann.
Von Tobias RösmannIm besten Fall bringt das städtische Kostenfiasko beim Deutschen Turnfest drei erfreuliche Ergebnisse. Ganz oben steht das, was Sportdezernentin Daniela Birkenfeld jetzt mitgeteilt hat: Die Veranstaltung, die vom 30. Mai bis zum 5. Juni 2009 Zehntausende Menschen in Frankfurt unterhalten soll, wird günstiger, als zuletzt befürchtet. Statt der zwischenzeitlich gehandelten 30 Millionen Euro soll die Stadt rund 24,1 Millionen Euro zahlen – diese Summe will Birkenfeld zumindest in eine neue Vorlage schreiben. Gestrichen hat die CDU-Politikerin all das, was Frankfurt nicht vertraglich zu leisten verpflichtet ist. So kann sie mindestens 2,5 Millionen Euro eingesparen.
Die oft gescholtene Stadträtin hat damit zwei positive Signale gegeben: Zum einen zeigt sie, dass der Magistrat bereit und in der Lage ist, auf Kritik der Stadtverordneten und der Öffentlichkeit zu reagieren; zum anderen beweist sie dem verunsicherten Deutschen Turner-Bund, dass Frankfurt zu seiner Finanzzusage für die Veranstaltung steht. Allen, die nun fragen, was 2,5 Millionen Euro denn schon sind angesichts der immensen Gesamtkosten, sei gesagt: Das Geld stammt aus ihren Steuern und kann nun zum Beispiel in die Sanierung einer Schule oder eines Sportplatzes fließen. Wenn es jetzt noch gelänge, am Südufer des Mains statt des dort gestrichenen Maincarrées ein Alternativprogramm zu organisieren, indem zum Beispiel zwei für die Innenstadt geplante Bühnen dorthin verlagert würden, wäre das sicher für alle zu verschmerzen, auch für die Teilnehmer.
Bald ist Zeit, Fehler einzugestehen
Erfreulich ist zweitens, dass die Stadtverordneten in Frankfurt keineswegs schlafen. Sie haben sich kräftig darüber geärgert, dass sie im März 2005 eine Magistratsvorlage zustimmten, in der Kosten von 5,14 Millionen Euro genannt worden waren. In der irreführenden Präzision dieser Zahl steckte etwas Perfides. Es kann ihren Eifer nur fördern, wenn die Stadtverordneten ihr Recht, alle Akten des Vorgangs zu studieren, mit einer Portion Wut im Bauch wahrnehmen. Der zuständige Ausschuss wird in den nächsten Wochen mit seiner Arbeit beginnen. Am Ende werden die Mitglieder selbst gelesen haben, wer wann was gesagt hat, und wer wann welches Papier entgegen welcher Warnung unterschrieben hat. Spätestens dann ist es an der Zeit, Fehler einzugestehen – auch, wenn das schmerzhaft wird.
Noch eine dritte, positive Folge dürfte die Debatte um die Kosten für das Deutsche Turnfest haben. Eine Folge mit Langzeitwirkung sozusagen. Die Dezernenten werden sich künftig noch genauer überlegen müssen, ob die Kosten für dieses Bauprojekt oder jene Großveranstaltung präzise definiert sind. Denn die Stadtverordneten werden kaum noch einmal bereit sein, fünfmal höhere Kosten durchzuwinken. Sie sind ja nicht dumm.