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Kommentar Pest des Antisemitismus

15.02.2008 ·  Und wieder geht ein Stück Freiheit verloren. Dass bald auch Besucher des Jüdischen Museums sich vor einer Sicherheitsschleuse einreihen müssen, schockiert uns. Noch. Bald werden diese Kontrollen Alltag sein.

Von Hans Riebsamen
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Und wieder geht ein Stück Freiheit verloren. Dass Passagiere sich vor einem Flug auf Waffen und Sprengstoff kontrollieren lassen müssen, daran haben wir uns längst gewöhnt. Dass Besucher des amerikanischen Konsulats in Frankfurt oder des jüdischen Gemeindezentrums einer scharfen Visitation unterzogen werden, erscheint uns mittlerweile normal. Dass bald auch Besucher des Jüdischen Museums sich vor einer Sicherheitsschleuse einreihen müssen, schockiert uns. Noch. Bald werden diese Kontrollen Alltag sein.

Die Gefahr geht von Terroristen aus. Islamistischen Terroristen. Juden gelten ihnen als Todfeinde, der Nahost-Konflikt heizt ihren Hass immer neu an. Alles Jüdische ist für sie ein potentielles Angriffsziel, offenbar auch ein Jüdisches Museum in Frankfurt, das nun wirklich nicht viel mit der Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern zu tun hat. Gegen solche Fanatiker helfen vor allem eine gute Polizei und ein guter Geheimdienst.

Sorgen muss einem auch ein anderes Phänomen machen, gegen das keine Polizei und kein Verfassungsschutz nützt. Der Umstand nämlich, dass bei nicht wenigen Muslimen hierzulande, die keineswegs fanatische Glaubenskämpfer sind, das Feindbild Jude fest verankert ist. Diesen neuen Antisemitismus, der sich stark aus antiisraelischer Propaganda speist, bekommen viel zu viele Kinder von Einwanderern aus dem muslimischen Kulturkreis sozusagen mit der Muttermilch eingeflößt. Er ist genauso gefährlich, wenn nicht auf Dauer gefährlicher als der alte Judenhass der Rechtsradikalen.

Diese bestürzende Entwicklung darf man nicht einfach nur hinnehmen. Vielmehr muss die scheinbar unausrottbare Pest des Antisemitismus mit allen Mitteln eingedämmt werden. Zum einen auf der Ebene der religiösen Organisationen: Die muslimischen Verbände und die jüdischen Organisationen müssen endlich in einen ernsthaften Dialog treten und die Schwierigkeiten beim Namen nennen. Zum anderen in der Erziehung, also in den Schulen. Auch junge Muslime müssen im Unterricht etwas über die deutsch-jüdische Geschichte erfahren, über den Holocaust und die daraus erwachsende besondere Verpflichtung ihres Gast- oder Heimatlandes gegenüber dem jüdischen Volk. Es ist unser aller Freiheit, die dadurch verteidigt wird.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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