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Kommentar Perspektivlosigkeit ist Gift

 ·  Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not.

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Ein runder Geburtstag ist normalerweise ein Grund zum Feiern. Als sich die Gründung der Nassauischen Heimstätte am Dienstag zum 90. Mal jährte, hat das Unternehmen mit keiner Silbe darauf hingewiesen. Keine Einladung im Briefkasten, keine Pressemitteilung im Postfach. Offenbar ist dem Geburtstagskind nicht nach einer ausgelassenen Party zumute.

Wer wollte es den Mitarbeitern verdenken? Der zermürbende Stellungskampf um die Heimstätte währt nun schon seit einem halben Jahr. Seit der hessische Finanzminister im Frankfurter Oberbürgermeisterwahlkampf der SPD mit der Bekanntgabe seiner Verkaufspläne ein Geschenk machte, tobt ein zäher Wettstreit um die besseren Argumente. Die Landesregierung braucht dringend Geld in der Kasse, um ihren Zukunftsfonds, ein Investitionsprogramm in Infrastruktur und Forschung, auszustatten. Die Opposition hingegen sieht das Land in der Verantwortung, preiswerte Wohnungen anzubieten.

Der politische Streit, der sich noch lange hinziehen könnte, lähmt die Heimstätte. Und Perspektivlosigkeit ist Gift für ein Unternehmen. Wichtige strategische Entscheidungen können nicht getroffen werden. Zudem entsteht der psychologisch fatale Eindruck, dass das sinkende Schiff seine Führung verliert: Im Juni tritt der leitende Geschäftsführer ab, Ende des Jahres läuft der Vertrag des zweiten ab. Dann würde die Heimstätte weitgehend führungslos dahintreiben. Die schon eingesetzte Findungskommission wird es schwer haben, unter solchen Bedingungen einen Nachfolger zu finden. Wer will schon womöglich als Totengräber anheuern?

Finanziell steht die Heimstätte halbwegs solide da, sie konnte ihren Gewinn 2011 auf 35 Millionen Euro steigern, bei hohen Schulden und zum Teil bescheidenem Zustand der Wohnungsbestände. Falls sich das Land für einen Verkauf entscheidet, gibt es zwei Optionen, die eine sozialverträgliche Lösung für die Mieter verheißen. Die Helaba hat dem Vernehmen nach aber schon abgewunken. Deren Mehrheitsgesellschafter, der Sparkassen- und Giroverband, könnte eines Tages ins Spiel kommen, das steht aber noch in den Sternen.

Immerhin bringt sich die Stadt Frankfurt schon in Position für die anstehenden Umwälzungen. Sie möchte ihre Anteile auf die eigene Wohnungsgesellschaft ABG Holding übertragen, was ein professionelleres Management der Beteiligung verheißt. Wenn auch das Land verhindern will, dass die Heimstätte ernsten Schaden nimmt, dann muss es sich seinerseits zügig darüber klarwerden, wohin die Reise gehen soll.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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