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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Pawlowsche Reflexe

 ·  Und täglich grüßt das Murmeltier. Wieder einmal landen hessische Schüler bei einer Studie weit hinter ihren Altersgenossen aus Bayern und Baden-Württemberg. Die Lösung der Lehrergewerkschaft GEW lautet - wie immer - „mehr Personal“.

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Und täglich grüßt das Murmeltier. Wieder einmal landen hessische Schüler bei einer Studie weit hinter ihren Altersgenossen aus Bayern und Baden-Württemberg. In seiner Vorhersehbarkeit übertroffen wird das Ranking nur noch von den landespolitischen Reaktionen darauf. „Schwarz-gelbe Bildungspolitik gescheitert“, urteilen die Grünen, die diesen Textbaustein vermutlich auf ihrem Computer gespeichert haben.

Dennoch waren sie nicht ganz so schnell wie die Kollegen von der SPD. Zwischen 10 und 11.30 Uhr wurde der immerhin 300 Seiten umfassende Ländervergleich gestern in Berlin vorgestellt - und um 11.16 Uhr hatte ihn die hessische SPD schon sorgsam gelesen, ihre Schlüsse daraus gezogen und eine entsprechende Mitteilung versendet. Dementsprechend differenziert fällt die sozialdemokratische Conclusio aus: „Landesregierung wirtschaftet Grundschulen ab.“ Wobei die zuständige Fraktionssprecherin den hessischen Grundschulen zugleich attestiert, „eine hervorragende Arbeit“ zu machen. Das verstehe, wer will.

„Und dazu brauchen wir mehr Personal“

Eine andere Frage, die uns schon lange beschäftigt: Gibt es eigentlich irgendein bildungspolitisches Problem, zu dessen Lösung der Lehrergewerkschaft GEW etwas anderes als „mehr Personal“ einfällt? Schwer vorstellbar. Und auch diesmal enttäuscht uns der Landesvorsitzende Jochen Nagel nicht. Nach seiner Meinung zur aktuellen Studie befragt, meint er, Hessen müsse die Ganztagsschulen ausbauen - „und dazu brauchen wir mehr Personal“.

Was hat aber die Ganztagsschule mit dem jetzt veröffentlichen Kompetenzvergleich zu tun? Offenbar nicht so viel, zumindest dann, wenn man der bayerischen Opposition folgt. Die beklagte jüngst, das weiß-blaue Musterland der Bildungsstudien sei „Schlusslicht beim Thema Ganztagsschule“.

Der pawlowsche Redefluss, der einsetzt, sobald eine neue Bildungsstudie am Horizont erscheint, ist nicht nur undifferenziert, sondern auch unehrlich. Wollen SPD und Lehrergewerkschaft wirklich das bayerische Schulsystem zum Maßstab für Hessen machen? Das wäre neu - sind gegliedertes Bildungswesen und Leistungsdruck doch sonst des Teufels. Vielleicht könnte man ehrlich darüber sprechen, warum die bayerischen Viertklässler so gut sind. Vielleicht liegt es etwa daran, dass im Nachbarland die Noten und nicht die Eltern darüber entscheiden, auf welche Schule das Kind wechseln darf.

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Jahrgang 1972, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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