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Kommentar Passiv war gestern

14.07.2007 ·  Die Sommerpause rund um den Frankfurter Flughafen verspricht hektisch zu werden. Die Zeit drängt, sich eine Meinung zum „Anti-Lärm-Pakt“ zu bilden. Wer jetzt noch zaudert, wird sich später Vorhaltungen anhören müssen.

Von Helmut Schwan
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Die Sommerpause rund um den Frankfurter Flughafen verspricht hektisch zu werden. Die Zeit drängt, sich eine Meinung zum „Anti-Lärm-Pakt“ zu bilden. Die Verantwortlichen in den Kommunen, die jetzt zaudern, könnten einmal von ihren Enkeln gefragt werden, weshalb man damals nicht mitgemacht habe, als sich die Chance bot, die Flugroute in einem Bogen um das neue Wohngebiet zu führen.

Warum plötzlich alles so schnell gehen muss, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich sind seit dem Abschluss der Mediation, die, noch unter dem Titel „Anti-Lärm-Paket“, als eine der dringenden Aufgaben stellte, die Schallemissionen zu reduzieren, sieben Jahre vergangen. Zwar ist seither nicht nichts geschehen. Aber die Versuche, den Fluglärm an seinen Quellen einzudämmen, waren angesichts des Kostenarguments doch eher zaghaft.

Ambitionierte Ideen

Für diese defensive Haltung stand bezeichnenderweise der sogenannte passive Schallschutz im Vordergrund, in der Praxis der flächendeckende Einbau besonders gut isolierender Fenster. Vor allem beim Flughafenbetreiber ist in den vergangenen Monaten die Erkenntnis gereift, es könne wohl kaum eine Perspektive für die Anwohner in den besonders belasteten Städten sein, nach dem Bau einer weiteren Landebahn das Leben noch stärker hinter dickes Glas verlegen zu müssen.

Neue Start- und Landeverfahren, eine „gerechtere“ und intelligentere Verteilung der Routen, der forcierte Einsatz leiserer Maschinen, ein Lärm-Index als vertrauensbildender Gradmesser – die nun vorgestellten Ideen sind allesamt sehr ambitioniert und mit Blick auf das Thema „relatives absolutes Nachtflugverbot“ mit vielen Emotionen befrachtet. Die rechtlichen und technischen, vor allem aber auch die politischen Schwierigkeiten in den Kommunen, die sich jetzt schon auftun und in den nächsten Wochen kaum kleiner werden, könnten die Neigung fördern, die Papierstöße mit einem Stoßseufzer von sich zu schieben und das Schicksal walten zu lassen.

Schicksal freilich ist fremdbestimmt und bedeutet beim Flughafenausbau das reine Abwarten, zu welchen Ratschlüssen die Beamten und Gutachter des Ministeriums und später die Richter des Bundesverwaltungsgerichts kommen werden. Wem es mit „aktivem“ Schallschutz aber wirklich ernst ist, der sollte sich bemühen, seine Interessen selbst zu definieren. Der „Pakt“ scheint dazu die letzte Möglichkeit zu sein.

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Jahrgang 1956, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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