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Kommentar : Parmenides im Parkhaus

  • -Aktualisiert am

Beim Bekanntheitsgrad hat Petra Roth (CDU) die Nase klar vorn vor Franz Frey (SPD) Bild: Daniel Pilar

Bis zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt bleiben knapp vier Wochen. Und dann? Der 28. Januar wird die Zeit nicht in „Davor“ und „Danach“ scheiden. Es gibt nämlich etwas, das Frankfurt nachhaltiger verändern wird als diese Wahl. Ein Kommentar von Werner D'Inka.

          Petra Roths und Franz Freys Neujahrswünsche verweht, die Plakate abgehängt, der Hund wieder im Tierheim, ohne Zipfelmütze. Allmählich wird es ernst, bis zur Frankfurter Oberbürgermeisterwahl bleiben noch knapp vier Wochen. Und dann? Eines steht fest: Der 28. Januar wird die Zeit nicht in „Davor“ und „Danach“ scheiden. Es gibt nämlich etwas, das Frankfurt stärker und nachhaltiger verändern wird als diese Wahl.

          Nicht mehr lange, und die Alten werden von Orten erzählen, deren Namen für die Zuhörer so schrullig klingen wie für uns heutzutage Borgward (Auto) oder Nordmende (Phonotruhe). Sie heißen Davos, Bad Wörishofen, St. Peter Ording - staunend werden die Jüngeren vernehmen, dass man sie früher der guten Luft wegen aufsuchte. „Was ein Uffriss“, werden sie sagen, warum fuhren die früher Hunderte von Kilometern für ein bisschen frische Luft, wenn sich jede Gaststätte jetzt doch „Bad Fichtekränzi“ nennen darf und jede Pizzeria „Venezia Terme“? Inzwischen sind nämlich die neuen Bestimmungen zum Schutz der Nichtraucher in Kraft getreten, und in Frankfurter Gaststätten ist die Luft so rein wie in staatlich anerkannten Kurorten.

          Gedämpfte Hoffnungen

          Frischer Wind lüftet in diesem Jahr auch die Kulturpolitik in der Region durch. Oberbürgermeister und Landräte haben versprochen, in ihren Parlamenten für den neuen Kulturfonds zu werben, mit dem regionale Kunstprojekte finanziert werden sollen. Wohlan. Dass die Frankfurter Grünen Einwände vorbringen, dass die SPD-Oberbürgermeister von Hanau und Offenbach dagegen sind (anders als ihre Parteifreude in Aschaffenburg, Darmstadt und Mainz), dämpft allerdings Hoffnungen auf eine unmittelbar bevorstehende Moma- oder Guggenheim-Ausstellung.

          Was lässt das neue Jahr noch erwarten? Die Gewissheit der Philosophen, der Mensch könne zwar eine Zeitlang den Atem anhalten, er könne aber nicht „nichts denken“, wird auch 2007 wieder widerlegt werden. Griechischer Philosoph mit zehn Buchstaben? Parmenides, um 540 bis 480 v. Chr., setzte als Erster Denken und Leben in eins, indem er sagte: „Geistiges Wahrnehmen und Sein sind dasselbe.“ Fünf Minuten in einem beliebigen Parkhaus zwischen Wiesbaden und Gelnhausen fegen diesen Satz hinweg, denn dramatisch nimmt die Zahl der Autos zu, die so abgestellt werden, dass sie zwei Parkplätze belegen. Wer so parkt, kann unmöglich gedacht haben, und es werden immer mehr.

          Hochdekoriert in der vierten Liga

          Und schließlich: Andreas Möller aus Frankfurt wird Trainer bei Viktoria Aschaffenburg. Der frühere Fußball-Nationalspieler, Weltmeister, Europameister, Sieger in der Champions League und im Uefa-Pokal - kurzum: hoch dekoriert wie ein Sowjetmarschall - fängt in der vierten Liga neu an, aus Respekt vor dem Beruf des Fußball-Lehrers. Dazu noch einmal Parmenides: Geradezu besessen von dem Satz, Nichtseiendes existiere nicht, weil es undenkbar sei, sagt er, alles sei „seiend“, auch was uns im Augenblick gerade nicht so vorkommt, beispielsweise rauchfreie Gaststätten. Und dennoch ist Andreas Möller nicht Lothar Matthäus. Das lässt hoffen.

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