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Kommentar Ohne Getöse

 ·  Nicht jede Kommission ist so unsinnig wie der im vergangenen Jahr mit Getöse veranstaltete Energiegipfel der Landesregierung.

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Nicht jede Kommission ist so unsinnig wie der im vergangenen Jahr mit Getöse veranstaltete Energiegipfel der Landesregierung. Die weitaus leiser arbeitende Fachkräftekommission aus Verbandsfunktionären und Wissenschaftlern hat dieser Tage unter dem Vorsitz des Chefs der hessischen Regionaldirektion der Arbeitsagentur einen respektablen Bericht zu einer der grundlegenden Fragen des Wirtschaftslebens vorgelegt: Wie soll der Wohlstand in Zeiten sinkender Bevölkerungszahlen gewahrt werden?

Man muss angesichts des wachsenden Fachkräftemangels nicht in Panik verfallen. Das Thema hat Konjunktur, weil die Arbeitslosigkeit zuletzt drastisch gesunken ist; in einer Rezession dürfte es jedenfalls vorübergehend wieder aus den Schlagzeilen verschwinden. Man darf außerdem auf den Einfallsreichtum der Menschen vertrauen, wenn es eng wird. Dennoch hilft Vorsorge. Während es gemeinhin besser ist, die Politik setzt der Wirtschaft einen Rahmen, hält sich sonst aber raus, müssen bei der Frage des Umgangs mit einem kleiner werdenden Arbeitskräftereservoir tatsächlich Politik und Wirtschaft Hand in Hand arbeiten.

Schrumpfungsprozesse fördern den Weg in die Armut

Der Bericht benennt, worauf es ankommt: eine bessere Schulbildung, vor allem weniger Hauptschul-Abbrecher, die Aktivierung Älterer, die länger im Berufsleben bleiben sollen, etwa durch berufliche Weiterbildung. Vor allem aber: eine noch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zum Beispiel durch einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung sowie eine andere Unternehmenskultur. Und schließlich, als letztes Mittel: Zuwanderung, nicht von Armutsflüchtlingen, sondern von qualifizierten Arbeitskräften.

An Aufgaben für die Politik wie für die Unternehmen fehlt es also nicht. Die Kommission sollte weiterhin tagen und regelmäßig berichten, wo es vorangeht und wo nicht. In wirtschaftsfernen Kreisen mag es populär sein, dem Wachstum abzuschwören und sich Schrumpfungsprozesse geradezu zu wünschen. Wer so denkt, soll aber wissen: Es ist der direkte Weg in die Armut.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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