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Kommentar Nur Verlierer im Millionenspiel

 ·  Die rund 120 Millionen Euro teure Marburger Partikeltherapie-Anlage sollte die Behandlung Krebskranker verbessern - nun aber platzt der Traum. Ob Anlagenbauer, Betreiber, Patienten oder Region: Diese Geschichte kennt ausschließlich Verlierer.

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Das ist ein Tiefschlag: Die rund 120 Millionen Euro teure Marburger Partikeltherapie-Anlage sollte die Behandlung Krebskranker aus Mittelhessen und anderen Regionen in Deutschland verbessern - nun aber platzt der Traum. Die Technik hält nicht, was sich das Uni-Klinikum Gießen und Marburg, das Land und der Siemens-Konzern als Anlagenbauer von ihr versprochen haben. Die Maschine soll lediglich der Forschung und Entwicklung dienen, statt Patienten das Leben zu erleichtern.

Diese Geschichte kennt ausschließlich Verlierer. An erster Stelle sind es jene Krebspatienten, denen diese Form der Bestrahlung hätte helfen sollen. Zweitens verliert das in ganz Deutschland bisher einzige privatisierte Universitätsklinikum ein sogenanntes Leuchtturmprojekt mit überregionaler Strahlkraft - und zudem eine langfristig sprudelnde Einnahmequelle. Deshalb zählt auch der börsennotierte Mutterkonzern zu den Verlierern, selbst wenn er von Siemens aus der Anlage herausgekauft worden ist und aus der mit den Münchenern parallel geschlossenen Zusammenarbeit in der Krebsforschung profitieren kann. Vierter Verlierer ist der Medizinstandort Mittelhessen. Eine erfolgreiche Partikeltherapie-Anlage hätte seinen Ruf fraglos gemehrt.

Und die Landesregierung, die das mittelhessische Klinikum zuerst 2005 fusionierte und Anfang 2006 verkaufte, steht politisch unter Druck. Maßgeblich der Marburger SPD-Landtagsabgeordnete Spies verlangt vom Land, auf eine Inbetriebnahme ungeachtet mangelnder Wirtschaftlichkeit zu dringen oder mehr als 100 Millionen Euro vom Kaufpreis zurückzuverlangen, da die Anlage eine Bedingung des Verkaufs gewesen sei. Unabhängig vom Streit um eine Nachzahlung zieht Hessen als Wissenschaftsregion ebenso den Kürzeren. Dessen ungeachtet bleibt die Erkenntnis, dass Forschung ein Risikogeschäft ist. Das gilt nicht nur für Arzneimittel, sondern offensichtlich auch für Hochleistungs-Medizintechnik.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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