05.09.2008 · Der Flughafen wächst. Eine neue Landebahn wird gebaut, das Neubaugebiet Gateway Gardens und das Airrail Center. Jetzt kommt noch die Airport City hinzu. Der Stadt muss das Wohlergehen des Flughafens am Herzen liegen. Als Arbeitgeber ist er so wichtig wie sonst nur der Bankensektor.
Von Matthias AlexanderNeubauten mit einer Fläche von 700.000 Quadratmetern darf die Fraport AG auf ihrem Flughafengelände errichten. Die Zahl klingt gewaltig, und sie ist es auch. Sie entspricht dem Siebenfachen des Commerzbank-Turms in der Frankfurter Innenstadt. Nimmt man das Neubaugebiet Gateway Gardens am Frankfurter Kreuz und das im Bau befindliche Airrail Center hinzu, an denen Fraport ebenfalls beteiligt ist, dann sind es schon weit mehr als eine Million Quadratmeter, die für Büros, Hotelzimmer und Ladenflächen in wenigen Jahren neu zur Verfügung stehen könnten.
Die Stadt Frankfurt war bei den Verhandlungen mit Fraport in einer schwierigen Position. Es ist einerseits nicht in ihrem Interesse, dass eine autarke Flughafen-Stadt entsteht, die der Innenstadt Konkurrenz macht. Andererseits muss die Stadt nicht nur als Anteilseigner am Gedeihen des Unternehmens Fraport interessiert sein; vom wirtschaftlichen Erfolg des Flughafens hängt der Standort fast genauso stark ab wie vom Wohlergehen des Bankensektors. Das Argument des Fraport-Vorstandsvorsitzenden Wilhelm Bender, dass Flughafenbetreiber mit Dienstleistungen um das Fliegen im engeren Sinne kaum noch Geschäft machen, ist nicht von der Hand zu weisen. Sein Unternehmen hängt bald zu mehr als 80 Prozent von Einnahmen aus Ladenkonzessionen und Vermietungen ab.
Kurze Wege
Oberbürgermeisterin Petra Roth und Planungsdezernent Edwin Schwarz (beide CDU) haben das kleinere Übel gewählt, wenn sie dem Masterplan des Flughafens nun grundsätzlich zustimmen. Auch aus planungsrechtlicher Sicht blieb ihnen wenig anderes übrig, ist doch der Begriff des Sondergebiets Flughafen juristisch so schwammig, dass Fraport die Genehmigung von Neubauvorhaben nur schwer zu verweigern ist. Mit ein wenig Genugtuung dürften Roth und Schwarz vielmehr registriert haben, dass wenigstens in diesem Fall keine Rücksicht auf das ungeliebte Umland zu nehmen ist.
Der Magistrat muss auf den im nationalen und internationalen Vergleich exzeptionell kurzen Weg vom Flughafen in die Innenstadt bauen. Die Hoffnung ist, dass prestigebewusste Unternehmen auch weiterhin eine urbane Umgebung höher bewerten als verkehrstechnische Standortvorteile. Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Büroflächen am Flughafen keine Selbstläufer sind. Die Innenstadt weiter aufzuwerten ist daher das oberste Gebot für die Stadtplaner.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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