Als in Frankfurt das erste Museumsuferfest gefeiert wurde - es war im Jahr 1988 -, hieß der Oberbürgermeister Wolfram Brück und die Kulturdezernentin Linda Reisch, zwei heute verwehte Namen in der Stadtgeschichte. Genau so weit, also bis ins vergangene Jahrhundert, reicht die Klage zurück, dass an den pittoresken Ufern des Mains die Museen und die Kultur insgesamt zu kurz kämen und das Remmidemmi überwiege. Das Fest hat es ausgehalten, die Stadt erst recht. Es ist nicht übertrieben festzustellen, dass dieses Museumsuferfest viel dazu beigetragen hat, den Fluss und seine Säume wiederzuentdecken.
Denn auch das ist heute so vergessen wie die abgewählten Lokalpolitiker Brück und Reisch es sind: Noch am Ende der achtziger Jahre hatte sich zwar schon die Perlenkette der Museen aufgereiht, da waren Ufer und Fluss doch noch die Opfer urbaner Kümmernutzung. Das städtische Leben hatte sich vom Fluss abgewandt, es pulsierte ein ganzes Stück vom Main entfernt. Den Autos, den Obdachlosen und den Drogensüchtigen gehörte damals die Gegend um den Main, Spaziergänger lustwandelten dort schon lange nicht mehr.
Ein paar Hüte weniger
Von Anfang an - in den ersten Jahren wurde das Museumsuferfest von Manfred Pasenau und danach vom (Selbst-)Inszenator Harry Owens organisiert - wurden Stimmen laut, die kritisierten, dass es sich um ein Uferfest handele, das aber wenig mit den Museen zu tun habe. Über all die Jahre wurden immer wieder neue Anläufe unternommen, die Menschen in die Museen zu locken oder ihnen vor der Tür Anregungen kultureller Art näherzubringen. Doch blieb das alles unter dem Strich vergebens. Allenfalls jeder hundertste Besucher schaut sich an diesen Tagen ein Museum von innen an. Der alte Traum der Arbeiterbildung, man möge über die Unterhaltung zu den Inhalten vorstoßen, ist und bleibt ausgeträumt, da helfen keine Buttons, keine Eintrittsermäßigungen und keine noch so freundlich-gutgemeinten Bildungsinitiativen.
Und ist es denn so schlimm? Ist es nicht. Den Menschen gelüstet es nun einmal nach Feiern, nach guter Laune, nach Essen und Trinken in schöner Umgebung. Und ganz offensichtlich auch nach Tüchern und Hüten, Taschen und Billigschmuck, afrikanischen Holzelefanten und Seidenhosen mit tiefem Schritt - ohne Nachfrage kein Angebot.
Zum aktuellen Museumsuferfest sind statt der erwarteten drei Millionen vielleicht nur zwei Millionen gekommen. Mal abgesehen von der Frage, wie exakt solche Angaben sind und wer sie eigentlich wie ermittelt, ist auch das nicht so schlimm, es sind dann halt ein paar billige Schmuckstücke und Hüte weniger verkauft worden. Das Fest aber wird auch im nächsten Jahr nicht totzukriegen sein, weil es bietet, was es zu bieten gibt: viel panem und noch mehr circenses.