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Kommentar Nicht schlau, aber glücklich

18.05.2010 ·  Musikunterricht soll Wunderkräfte entfalten. Doch auch wenn sich die Hoffnung, Musik mache intelligent, wohl als trügerisch erweist, so sind andere Wirkungen doch offensichtlich. Dazu gehört, dass Musik glücklich machen kann.

Von Matthias Trautsch
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Dem Musikunterricht werden wahre Wunderkräfte zugeschrieben. Schüler, die ein Instrument lernen, seien intelligenter als andere, ist immer wieder zu hören. Oder zumindest sozialer, fleißiger, konzentrierter, weniger anfällig für Drogen und Gewalt. Empirisch zu belegen ist das nicht so einfach. In einer umfangreichen Untersuchung in der Schweiz wurde sogar festgestellt, dass Musik keinen besonderen Effekt auf die Intelligenz hat. Zumindest keinen stärkeren als andere anspruchsvolle Betätigungen wie Schachspielen, Hochgebirgstouren oder das Erlernen einer Sprache. Ähnlich gering scheinen die direkten Wirkungen auf die soziale Kompetenz zu sein.

Damit kommt - stimmen die Untersuchungen - den Fürsprechern musischer Bildung ein wichtiges Argument, das der sogenannten Transfereffekte, abhanden. Der Musikunterricht ließe sich nicht länger damit rechtfertigen, dass er die Leistungen in jenen Fächern befördere, die in Pisa-Tests und Personalbüros als eigentlich wichtig bewertet werden. Was spricht also dagegen, etwa im Zuge der G8-Verkürzung die Musik zugunsten der Naturwissenschaften oder Sprachen zu streichen?

Melodien und Rhythmus bewegen

Allerhand. Zum Beispiel, dass die Schule der Zukunft eine Ganztagsschule ist. Kinder und Jugendliche können nicht acht Stunden am Tag Mathematik pauken. Die pädagogische Forschung zeigt, dass sie am besten lernen, wenn sich „harte“ und „weiche“ Fächer abwechseln. Auf Phasen der kognitiven Beanspruchung sollten Momente der musischen oder körperlichen Betätigung folgen. Eine Chorprobe oder eine Tanz-AG lassen sich also sehr wohl in den schulischen Tagesablauf integrieren - nicht trotz der sonstigen Belastung, sondern deswegen.

Auch wenn sich die Hoffnung, Musik mache intelligent, wohl als trügerisch erweist, so sind andere Wirkungen doch offensichtlich. Dazu gehört, dass Musik glücklich machen kann. Das gilt besonders für Kinder und Jugendliche. Sie lassen sich von Melodien und Rhythmus bewegen, körperlich und emotional. Einfühlsame und fachlich ausgebildete Musiklehrer können diese Anlagen erkennen und verstärken. Zusätzliche Anregungen für einen abwechslungsreichen und motivierenden Unterricht können sie vielleicht in dieser Woche bekommen: während der Frankfurter Tage der Schulmusik.

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Jahrgang 1972, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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