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Kommentar : Naturschutz mit Gewalt

Wenige Wochen, bevor die ersten Bäume im Kelsterbacher Wald fallen könnten, haben die Gegner der neuen Landebahn das emotionale Momentum auf ihrer Seite. Und der Flughafenbetreiber Fraport gerät abermals unter Rechtfertigungsdruck, warum er auf den „Sofortvollzug“ beharre.

          Warum, so lautet die nicht nur rhetorische Frage, kann man nicht noch ein Dreivierteljahr bis zu einem Urteil warten? Wenige Wochen, bevor die ersten Bäume im Kelsterbacher Wald fallen könnten, haben die Gegner der neuen Landebahn das emotionale Momentum auf ihrer Seite. Und der Flughafenbetreiber Fraport gerät abermals unter Rechtfertigungsdruck, warum er auf den „Sofortvollzug“ beharre – nun, da wegen der Wirtschaftskrise die Zahlen bei Passagieren und Fracht doch zurückgehen.

          Zehn Jahre Planung und Prüfung seien genug, der Schutz der Umwelt sei mehr als nur ausreichend berücksichtigt, lautet die Replik der Flughafenmanager. Sie treibt die berechtigte Sorge um, der Standort Frankfurt könne in den langfristigen Strategien ihrer Kunden, der Fluggesellschaften und Logistikunternehmen, zurückgestuft werden, wenn nun abermals eine Verzögerung zu melden wäre.

          Mit Staat und „Kapital“ Kräfte messen

          Die Situation ist heikel: Der Luftverkehrsmarkt steht vor einer grundsätzlichen Neuordnung, die Rezession wird diesen Prozess eher noch beschleunigen. Gerade zwischen den internationalen Drehkreuzen, den „Hubs“, dürfte sich der Wettbewerb noch verschärfen. Nicht nur in Dubai wird gewaltig investiert.

          In dem Spannungsfeld zwischen globaler Entwicklung und regionaler Rücksichtnahme ist das „Widerstandscamp“ im Kelsterbacher Wald gewachsen. Es kommt einer Geschichtsklitterung gleich, wenn ihre „Bewohner“ vorgeben, an die Tradition des ursprünglich von bürgerschaftlichem Engagement getragenen „Hüttendorfes“ anknüpfen zu wollen, das die Startbahn West verhindern sollte. Im Kelsterbacher Wald sind zu einem Großteil junge Menschen über das Internet zusammengetrommelt worden, die auf der Suche nach Schauplätzen sind, wo sie mit Staat und „Kapital“ die Kräfte messen können.

          Gewaltsame Auseinandersetzung

          Was harmlos mit Turnübungen der Aktivisten von Robin Wood hoch in den Wipfeln begann und zur Polit-Posse mit einer Bretterbude der Linken führte, nimmt inzwischen bedrohliche Formen an. Die „Besetzer“ maßen sich an zu bestimmen, wer ihr Camp betritt und wie darüber berichtet wird. Von einer Romantik à la Sherwood Forest ist nichts mehr zu spüren. Eher hat es den Anschein, als bereite man eine gewaltsame Auseinandersetzung vor. Der Schutz der Natur dient dabei nur noch als Mäntelchen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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