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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Nachdenken erlaubt

16.06.2007 ·  Das Technische Rathaus wird fallen, die Altstadt soll in einer Mischung aus Rekonstruktionen und historisch-baulichen Zitaten wiedererstehen. In Anbetracht der stadtplanerischen Dimension dieses Projekts ist es dann aber auch nicht ehrenrührig, sich die erweiterten Möglichkeiten vorzustellen.

Von Günter Mick
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Undenkbar? Also – denken wir einmal, was bisher als undenkbar galt. Und dabei sollte nicht gleich das empörte Urteil dominieren, über einen Abriss der Rotunde der Ausstellungshalle Schirn zwischen Römer und Dom dürfe auch weiterhin überhaupt nicht nachgedacht werden. Denn – für die Altstadt-Planungen auf diesem Gelände eröffneten sich ganz neue Möglichkeiten.

Der Vorschlag, über den nun im Frankfurter Rathaus nachgedacht wird, birgt zweifellos Sprengstoff. Dem geplanten Abriss des Technischen Rathauses, in unmittelbarer Nähe des gotischen Doms das brutale Betonmonument einer verfehlten Stadtplanung aus geschichtsabgewandter Nachkriegszeit, stellt sich heute kaum noch jemand entgegen. Hand an die Rotunde der Schirn zu legen, das hieße jedoch, einen Konsens in Frage zu stellen: einen Kompromiß mit hohem Symbolwert, der vor gut zwei Jahrzehnten gefunden worden war, als mit der Rekonstruktion der historischen Häuserzeile gegenüber dem Römer begonnen wurde, baulich einen kleinen Teil der Altstadt wieder sichtbar, damit Stadtgeschichte erfahrbar zu machen.

Was wäre wenn die Rotunde nicht mehr stünde?

Harte Auseinandersetzungen hatte es darüber gegeben, von starren Fronten gekennzeichnet. Hier diejenigen, die als geradezu politisch-moralisch zwingende Konsequenz aus 1945 eine neue Zeit propagierten, eine Moderne, die sich auch in der Architektur zeigen müsse; da die Mahner, dass die Geschichte sich nicht auf jene Jahre der Verbrechen wider Moral und sittliche Werte reduzieren lasse, dass ohne eine weitgefasstere Einbindung von Geschichte einem Gemeinwesen, einem Staat das Fundament fehle.

Der Kompromiss war die Lösung – Rekonstruktion der historischen Häuserzeile, dahinter die Kunst-Schirn mit ihrem auf den Dom zulaufenden langen Gebäudetrakt und eben jener Rotunde, dominantes Entree der Ausstellungshalle. Gedanken, mit Altstadt-Plänen offensiver umzugehen, in historischen Dimensionen das ganze Areal zu bebauen, hatten sich damit – auch wegen des Technischen Rathauses – erledigt.

Undenkbar? Nein. Das Technische Rathaus wird fallen, die Altstadt soll in einer Mischung aus Rekonstruktionen und historisch-baulichen Zitaten wiedererstehen. In Anbetracht der stadtplanerischen, der historischen Dimension dieses Projekts ist es dann aber auch nicht ehrenrührig, sich die erweiterten Möglichkeiten vorzustellen, wenn die Rotunde dort nicht mehr stünde. Zu welchem Ergebnis die neuen Altstadt-Überlegungen auch führen – die Schirn als Ausstellungshalle darf nicht zur Disposition gestellt werden. Sie ist unter der Führung Max Holleins für Frankfurt zu einem kulturellen Markenzeichen geworden. Es sei denn, es böte sich eine großzügige bauliche Alternative. Aber über die Aufwendungen, die damit verbunden wären, wollen wir denn lieber doch nicht nachdenken.

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