19.12.2009 · Es ist die Chronik eines absehbaren Scheiterns. Der Wettbewerb für die Überbauung des Archäologischen Gartens in Frankfurt hat keinen einzigen brauchbaren Entwurf hervorgebracht.
Von Matthias AlexanderEs ist die Chronik eines absehbaren Scheiterns. Der Wettbewerb für die Überbauung des Archäologischen Gartens in Frankfurt hat keinen einzigen brauchbaren Entwurf hervorgebracht. Mag Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) auch von einem guten Tag für Frankfurt sprechen und der Juryvorsitzende Franz Pesch das sehr gute städtebauliche und architektonische Niveau loben – das Ergebnis ist Murks, daran wird auch keine Überarbeitung etwas ändern.
Den Architekten ist daraus nur bedingt ein Vorwurf zu machen. Die Bauaufgabe war einfach zu kompliziert und zu widersprüchlich, um eine stimmige Lösung zu ermöglichen. Erstens sollte die historische Häuserzeile am Markt rekonstruiert werden, zweitens war zur Schirn hin ein Multifunktionsgebäude über dem Archäologischen Garten vorzusehen, und drittens mussten die historischen Überreste von Antike bis früher Neuzeit weiterhin öffentlich zugänglich bleiben.
Siegerentwurf von Winking Architekten überzeugte mit dem Raumkonzept
Dass sich viele renommierte Büros auf die Aufgabe eingelassen haben, ist die eigentliche Überraschung des Wettbewerbs. Andere, wie beispielsweise das Büro KSP, das einst den städtebaulichen Wettbewerb für das Dom-Römer-Areal gewonnen hatte, waren klüger. Sie hatten schon am Arbeitstitel „Stadthaus“ abgelesen, dass die Stadt nicht so recht weiß, was sie mit dem Gebäude will. Und auch die Tatsache, dass es den Architekten überlassen war, welche Flächen sie ansetzen, musste skeptisch machen.
Der Siegerentwurf von Winking Architekten hat die Jury mit seinem klaren und intelligenten Raumkonzept überzeugt. Er trennt das Stadthaus funktionell streng von den Häusern am Markt, was noch überzeugen kann. Von diesen können zumindest zweieinhalb Gebäude von Süden her belichtet werden, da das Multifunktionsgebäude sehr kompakt ausfällt.
Es droht ein Fehlstart
Doch die Nachteile überwiegen bei weitem. Für die Rekonstruktion des „Roten Hauses“ müssen Fassaden erfunden werden, die es nie gab, weil das Gebäude ursprünglich in ein Ensemble eingebunden war. Der Haupteingang des Stadthauses soll zum „Tisch“ vor der Schirn hin ausgerichtet sein, wo ihn niemand suchen wird. Und die Ostfassade (zum Dom hin) will überhaupt nicht zur „Goldenen Waage“ passen.
Ähnlich lassen sich gegen alle Entwürfe Einwände vorbringen. Der naheliegende Schluss wäre, dass die Stadt den Wettbewerb aufhebt und noch einmal ganz neu über die Bauaufgabe nachdenkt. Dazu wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kommen. Zu sehr fühlt sich die Politik gedrängt, endlich Resultate in der Altstadtbebauung zu liefern. Es droht ein veritabler Fehlstart.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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