26.12.2006 · Jetzt wird es spannend. Überraschend hat der in Deutschland kaum bekannte Energieversorger Nuon aus den Niederlanden wissen lassen, er wolle mitten im Geschäftsgebiet der Mainova ein Kraftwerk errichten.
Von Manfred KöhlerJetzt wird es spannend. Daß der Frankfurter Energieversorger Mainova fernab seines eigenen Geschäftsgebietes in Bonn den dortigen Stadtwerken mit einem eigenen Erdgasangebot seit einigen Wochen Konkurrenz macht, war in der Mainmetropole noch ohne größere Aufregung notiert worden. Doch nun wird sich der Wettbewerb womöglich vor der Haustür der Mainova abspielen.
Überraschend hat der in Deutschland kaum bekannte Energieversorger Nuon aus den Niederlanden wissen lassen, er wolle mitten im Geschäftsgebiet des traditionsreichen Frankfurter Energieversorgers ein Kraftwerk von beachtlicher Größe errichten - mit 400 Megawatt Leistung, das ist knapp das Doppelte des Mainova-Heizkraftwerks West, das die Silhouette des Gutleutviertels dominiert.
Standorte sind Mangelware
Zusätzliche Kraftwerke sind grundsätzlich gut. Sie erhöhen das Stromangebot, und das ist der sicherste Weg zu sinkenden (oder wenigstens weniger stark steigenden) Strompreisen. Das gilt um so mehr, wenn der Investor nicht zum Oligopol der vier großen Konzerne zählt, die in Deutschland annähernd vier Fünftel des Stroms erzeugen. Anteilseigner von Nuon sind die Stadt Amsterdam und einige niederländische Provinzen. Noch besser schließlich, wenn das neue Kraftwerk, wie von Nuon geplant, mit der umweltschonenden Energie Erdgas betrieben wird.
Doch ist es eben nicht ohne Pikanterie, daß die Stadt Frankfurt einerseits eine zentrale Rolle im Genehmigungsverfahren einnehmen wird, so denn Nuon seine Pläne weiter vorantreibt, andererseits aber mit 75,1 Prozent am Nuon-Konkurrenten Mainova beteiligt ist. Das wirft einmal mehr die Frage auf, ob Städte gut beraten sind, sich auf Märkten, in denen Wettbewerb herrscht, selbst unternehmerisch zu engagieren. Es wird sich zeigen, wie das Stadtoberhaupt, wer immer es demnächst sein wird, das Wechselspiel mit zwei Hüten beherrscht - als Verwaltungschef und Vorsitzender des Mainova-Aufsichtsrats. Denn eine Formsache dürfte die Genehmigung eines Kraftwerks kaum je sein - als zum Beispiel 2001 eine Zeitlang über ein solches in Höchst nachgedacht wurde, sorgten die Pläne für die Verlegung einer Erdgasleitung unterm Stadtwald für beträchtlichen Ärger.
Spannend ist das Nuon-Vorhaben aber auch, weil man gerne wüßte, ob die Mainova für ihre eigenen Kraftwerkspläne Griesheim in Betracht gezogen hatte. Bei der derzeitigen Welle von Neubauvorhaben dieser Art gelten Standorte als Mangelware - im dichtbesiedelten Deutschland leicht nachvollziehbar. Sollten die Niederländer den Frankfurtern das Gelände vor der Nase weggeschnappt haben, wäre das durchaus peinlich. Aber auch das ist Wettbewerb und vielleicht am Ende gut für die Kunden.