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Kommentar : Mieten können niemanden kaltlassen

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Frankfurt wächst. Der Stadt geht es gut. Nur: Die Nachteile der positiven Entwicklung zeigen sich am deutlichsten auf dem Wohnungsmarkt.

          Frankfurt wächst. Der Stadt geht es gut. Sie bietet Arbeit, sie erzeugt eine Gewerbesteuer, die - ins Verhältnis gesetzt - weit höher liegt als die in München. Der Stadt wird trotz allgemein gegenläufiger demographischer Entwicklung auch ein weiteres ungebrochenes Wachstum prophezeit. Das alles ist gut. Doch es geht mit Wachstumsschmerzen einher.

          Die Nachteile der positiven Entwicklung zeigen sich am deutlichsten auf dem Wohnungsmarkt. Es leben in Frankfurt bei aller allgemeiner Prosperität viele Menschen, denen es nicht gutgeht - der neue Oberbürgermeister wusste, was er tat, als er im Wahlkampf bezahlbaren Wohnraum forderte. Er kannte die Sorgen der Menschen in den Siedlungen, für die eine Mieterhöhung von 50 Euro schon ein Problem darstellt.

          Mittelschichtenphänomen

          Doch Wohnungsmangel - von „Wohnungsnot“ mag vorerst nur reden, wer die Dritte Welt nicht kennt - stellt eine Schwierigkeit nicht nur für Bezieher niedriger Einkommen, für Rentner und Studenten dar. Längst ist es ein Mittelschichtenphänomen geworden, keine bezahlbare Wohnung zu finden: Wer als junge Akademikerfamilie in Bremen, Essen oder Leipzig in einer schönen Vierzimmerwohnung mit Balkon wohnt, muss sich in Frankfurt oft zum gleichen Preis mit der halben Quadratmeterzahl zufriedengeben. Ohne Balkon.

          Die Stadtpolitik kann außer Wohnungsbauförderung relativ wenig gegen Mietanstieg tun. Der Vorschlag jedenfalls, Renovierungen von Bädern oder den Einbau von Balkonen zu verhindern, streift das Absurde, weil man per se gegen Verbesserungen nicht sein kann. Die Kräfte des Marktes einzudämmen hat immer etwas zunächst Destruktives.

          Bestellerprinzip

          Gleichwohl können dauerhaft steigende Mieten niemanden kalt lassen. Die von vielen als zusätzliche Erschwernis betrachtete Maklercourtage macht die Sache auch nicht leichter, zumal die ohnehin steigenden Mieten automatisch die Maklerentlohnung in die Höhe treiben. Hier das Bestellerprinzip einzuführen oder aber zumindest die Courtage zwischen Mieter und Vermieter zu teilen wäre gewiss eine Idee, die zusätzlicher Verdrossenheit abhelfen könnte.

          Quelle: F.A.Z.

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