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Kommentar Mein Gott: My Zeil

18.11.2008 ·  Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Petra Roth. Dass Sie jetzt den Namen des auf der Frankfurter Zeil entstehenden Einkaufszentrums, der „My Zeil“ lauten wird, als „geradezu genial“ bezeichnen, lässt den Begriff des Genialen in einem ganz neuen Lichte stehen.

Von Peter Lückemeier
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Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Petra Roth. Sie ahnen wahrscheinlich, wie ungern wir Ihnen widersprechen. Doch dass Sie jetzt den Namen des auf der Frankfurter Zeil entstehenden Einkaufszentrums, der „My Zeil“ lauten wird, als „geradezu genial“ bezeichnen, lässt den Begriff des Genialen in einem ganz neuen Lichte stehen.

Wir, Frau Oberbürgermeisterin, finden ehrlich gesagt „My Zeil“ ziemlich unwitzig. Es ist einer dieser Begriffe, die von jener quälenden Marketing-Heiterkeit zeugen, die etwas sensiblere Menschen fast so peinlich berührt wie ein grenzdebiler Radiowerbespot für Seitenbacher-Müsli oder der Hinweis, im Baumarkt gebe es auf alles zwanzig Prozent Rabatt, bis auf Tiernahrung.

Frankfurt liegt in Deutschland

In einem allerdings würden wir Ihnen, Frau Oberbürgermeisterin, falls Sie es gesagt hätten, jederzeit zustimmen: Das Einkaufszentrum „My Zeil“ ist dann doch noch ein bisschen besser als der Name des Gesamtkomplexes mitsamt zwei Hochhäusern, in dem es sich befinden wird und der auf den schwer affigen Begriff „Palais Quartier“ hören soll.

Und jetzt mal im Ernst, lieber Bauherr und Investor Bouwfonds MAB. Dieses Einkaufszentrum an der Zeil, das mit seiner kurvigen Glasfassade wahrscheinlich ziemlich schön und spektakulär ausfallen und nach seiner geplanten Eröffnung im Februar sicherlich ein Magnet für die Innenstadt wird, befindet sich an der Zeil. Die liegt in Frankfurt, und Frankfurt liegt in Deutschland. Hier heißt die Landes- und Umgangssprache Deutsch.

Projekt viel zu schön

Wer es spießig, kleinkariert oder deutschnational findet, daran zu erinnern, dem sei eine Passage aus einem Leserbrief zitiert, der uns gestern erreichte. Er stammt von einem Ingenieur, der viel in der Welt unterwegs ist: „Ich spreche mehrere Sprachen, arbeite international und auch insbesondere in England, den USA und Kanada und spreche dort selbstverständlich die Landessprache. In Deutschland erwarte ich, dass man Deutsch spricht, zumindest von den Personen, die der deutschen Sprache mächtig sind.“ Ist diese Haltung spießig, kleinkariert oder deutschnational? Nö, ist sie nicht.

Und jetzt, lieber Bouwfonds MAB, denk doch bitte noch einmal darüber nach, ob mit „My Zeil“ wirklich das letzte Wort schon gesprochen ist. Für einen solchen Namen wird dein Projekt viel zu schön.

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Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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