15.05.2006 · Patienten können durchatmen: Von den bundesweiten Ärztestreiks an Universitätskliniken diese Woche, so auch in Mainz, bleibt Hessen verschont.
Von Brigitte RothVon den bundesweiten Ärztestreiks an Universitätskliniken diese Woche, so auch in Mainz, bleibt Hessen verschont. Patienten können durchatmen, weil sie keine Nachteile fürchten müssen, beispielsweise das Verschieben einer geplanten Operation. Kaufmännische Direktoren der Universitätskliniken sind froh, weil ihnen finanzielle Einbußen in Millionenhöhe erspart bleiben.
Auf das Land Hessen fällt ein gutes Licht, die Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund schließlich ist ebenfalls zufrieden. Zu frühe Freude freilich könnte in herbe Enttäuschung umschlagen, denn noch längst ist keine endgültige Einigung in den Tarifverhandlungen erzielt. Der Ruf nach geregelten Arbeitszeiten für Ärzte, nach mehr Lohn und besseren Zukunftsaussichten ist in Hessen dieser Tage nur nicht so laut wie anderswo, aber deshalb längst nicht verhallt.
Annäherungen in Fragen der Arbeitszeit
Allerdings bringen die Gespräche auf Länderebene doch ganz offensichtlich einige Vorteile mit sich. Anders als in den meisten anderen Bundesländern verhandelt in Hessen der Marburger Bund direkt mit dem Land und nicht mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Daß Hessen aus diesem Arbeitgeberverband ausgetreten ist, scheint sich als klug zu erweisen. So kommen die Vertragspartner derzeit schneller zur Sache und daher auch flotter voran. Aussprachen in Endlossitzungen über Allgemeines bleiben aus, beispielsweise darüber, ob Klinikärzte überhaupt Überstunden leisten und ob sie nicht zuviel verdienen.
Zwar wollen sich beide Seiten in Hessen bei dem derzeitigen Stand der Dinge nicht zu Einzelheiten äußern, doch zeigen sie sich über den Verlauf der Gespräche einvernehmlich zufrieden. In Fragen der Arbeitszeit soll es bereits Annäherungen gegeben haben. Das ist ein überaus wichtiger Schritt, treibt doch vor allem Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen viele hiesige Ärzte ins Ausland.
Flexible Lösungen sind möglich
Auf niedriger Ebene sind zudem grundsätzlich flexiblere Lösungen möglich, die den Gegebenheiten am Ort auf den Leib geschneidert werden können. So steht das Land Hessen wirtschaftlich vergleichsweise gut da. Anders als östliche Bundesländer beispielsweise, die in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder auch ein Stimmrecht haben. Selbst Bundesländer wie Brandenburg oder Bremen, wo es überhaupt keine Universitätskliniken gibt, entscheiden dort mit.
Die überaus heiklen Gespräche über Geld freilich stehen in Hessen noch aus. Zwar hat der Marburger Bund dem Land seine Forderungen bisher nicht schwarz auf weiß mitgeteilt, doch werden diese sich wohl in der bundesweiten Größenordnung bewegen, die da lautet: 30 Prozent mehr Gehalt. Darin steckt eine Menge Zündstoff.