Home
http://www.faz.net/-gzg-x39d
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Magistrat ohne Begeisterung

07.04.2008 ·  Wie steht es um die anvisierte Neubebauung des Dom-Römer-Areals? Schlecht. Der Eindruck entsteht, dass die planerische Verzögerung dem Magistrat zupasskommt.

Von Matthias Alexander
Artikel Lesermeinungen (0)

Um die geplante Neubebauung des Dom-Römer-Areals in Frankfurt steht es schlecht. Das juristische Gutachten, das der Frage nachgeht, wie frei die Stadt in der Vergabe des Grundstücks ist, hat nicht den erhofften einfachen Ausweg gewiesen. Die Anwälte raten dazu, die Bebauung der Fläche europaweit auszuschreiben. Denkbar ist nach Ansicht der Juristen auch die Gründung einer hundertprozentigen Tochter der Stadt.

Beide Varianten bergen enorme Risiken. Eine Ausschreibung etwa setzt eine weit gediehene Planung voraus, wenn die Vorstellungen der Stadt erfüllt werden sollen. Und bei aller Wertschätzung der städtischen Ämter: ihnen die Gründung einer neuen städtischen Gesellschaft anzuvertrauen wäre etwas viel verlangt.

Die Stadt ist nicht schuld daran, dass das weite Feld des Vergaberechts derzeit noch schwerer zu überschauen ist als ohnehin. Die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs hat in ganz Deutschland zu erheblicher Verunsicherung geführt. Bis der Gesetzgeber und der Bundesgerichtshof für Klarheit gesorgt haben, wird noch viel Zeit vergehen.

Was soll mit dem Archäologischen Garten geschehen?

Gleichwohl verstärkt sich der Eindruck, dass die sich abzeichnende Verzögerung dem Magistrat zupasskommt. Denn die übrigen Vorarbeiten für das Projekt werden mit einer gewissen Lässigkeit angegangen. So hat man sich innerhalb der schwarz-grünen Koalition immer noch nicht darüber verständigt, was mit dem Archäologischen Garten geschehen soll. Weder zur Nutzung noch zur Art der Bebauung gibt es bisher brauchbare Vorschläge. Daran hängt aber das Gelingen des gesamten Vorhabens.

Das Projekt ist planerisch ambitioniert, technisch kompliziert und finanziell entsprechend herausfordernd. Und deshalb muss mindestens ein Stadtrat das Ganze zu seinem Herzensanliegen machen und bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Immerhin geht es um nicht weniger als die Wiedergewinnung der Keimzelle der Stadt. Die Frage, ob der Geist der Rekonstruktion vorherrschen oder vor allem zeitgenössische Architektur entstehen soll, ist dabei zweitrangig.

Genau an dieser Begeisterung fehlt es im Magistrat. Schon der nächste Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen könnte dafür sorgen, dass es mit der Altstadtbebauung auf absehbare Zeit nichts wird. Es wäre eine Schande.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Jüngste Beiträge

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr