11.11.2009 · Rechtlich, museumspolitisch und in seinen Auswirkungen auf regionale Rücksichtnahmen betrachtet, ist der Umgang mit der Zukunft der Holbein-Madonna hoch komplex. Wenig ist nach außen gedrungen über die Einzelheiten der Gesprächsrunde. Fest steht jedoch zumindest zweierlei.
Von Peter LückemeierMan möchte nicht unbedingt mit dem Staatssekretär oder Referatsleiter in der Hessischen Staatskanzlei tauschen, der die Gespräche des Ministerpräsidenten mit dem Haus Hessen und mit Kulturpolitikern aus Frankfurt und Darmstadt vorzubereiten hatte. Rechtlich, museumspolitisch und in seinen Auswirkungen auf regionale Rücksichtnahmen betrachtet, ist der Umgang mit der Zukunft der Holbein-Madonna hoch komplex.
Wenig ist nach außen gedrungen über die Einzelheiten der doppelten Gesprächsrunde. Fest steht jedoch zumindest zweierlei. Das eine ist der gleichsam moralische Druck, der auf dem Staat lastet. Das Haus Hessen, dem die Madonna gehört, hegt mit dem Bild nicht nur einen kunsthistorischen Schatz, sondern auch einen pekuniären: Das Gemälde könnte, würde es in Deutschland von einer Stiftung, einem Museum oder einer staatlichen Einrichtung erworben werden, 50 bis 60 Millionen Euro einbringen, im Ausland, etwa in den Vereinigten Staaten, aber 120 Millionen, vielleicht sogar noch mehr.
Die Sache wird politisch
Ins Ausland ausgeführt werden darf das Werk aber nicht, weil es im Verzeichnis national wertvollen Kulturguts aufgelistet ist. Deswegen zerschlug sich ja im Jahr 2002 ein Verkauf an die Getty-Stiftung. Das war natürlich gut für unser Land, aber schlecht für das Haus Hessen. Dergleichen erhöht den Legitimationsdruck einer Landesregierung, die als Teil des Staates den Besitzer des Gemäldes bestraft, ihn nicht weiter verprellen will, aber auch im Sinn der Allgemeinheit handeln muss.
Sollte es im zweiten Teil der Verhandlungen des Ministerpräsidenten mit dem Haus Hessen um so etwas wie ein Tauschgeschäft gegangen sein, in dem das Land sich um den Preis des Gemäldes künftig um das Schloss Fasanerie kümmern würde, das ebenfalls das Haus Hessen durch hohe Kosten niederdrücken dürfte, so wird die Sache politisch. Roland Koch hat gelernt, dass ihm die Übernahme des Erbacher Schlosses durch das Land politisch geschadet hat. Was auch an Koch lag, weil er wenig geschickt im „Verkaufen“ dieser Entscheidung vorging. Kurzum: Aus diesem Gegengeschäft Madonna gegen Fasanerie wird so schnell nichts werden. Was der Sache nicht hilft. Man darf sich auf längere Verhandlungen einstellen.
Peter Lückemeier Jahrgang 1950, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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