02.02.2009 · Es ist eine weitläufige und bunte Themenwelt, die die Autoren der Zukunftsstudie „Frankfurt 2030“ durchmessen haben. Der Studie ist wenig Neues zu entnehmen. Und doch lohnt sich die Lektüre der Denkschrift.
Von Matthias AlexanderEs ist eine weitläufige und bunte Themenwelt, die die Autoren der Zukunftsstudie „Frankfurt 2030“ durchmessen haben. Mancher Schwerpunkt ist auf das berufliche Engagement der Autoren zurückzuführen: Albert Speer ist der Gedanke einer „Airport City“ schon deshalb vertraut, weil sein Büro für die Fraport AG einen Masterplan erarbeitet hat. Und Klaus Ring von der Polytechnischen Gesellschaft, einst Präsident der Goethe-Universität, hob stark auf die Bedeutung der Wissenschaften für den Wirtschaftsstandort ab.
Der Studie ist auch sonst wenig Neues zu entnehmen. Wer wäre nicht der Meinung, dass die Außendarstellung Frankfurts genauso verbesserungsbedürftig ist wie die regionale Zusammenarbeit? Wer stimmte nicht zu, wenn einer Aufwertung des öffentlichen Raums und eine Stärkung der Kreativwirtschaft gefordert wird? Tausendmal gesagt, tausendmal ist nichts passiert.
Zerbrechen der Gesellschaft
Und doch lohnt sich die Lektüre der Denkschrift. Wer genau liest und sich vom üblichen Vernetzungsgeschwafel nicht ermüden lässt, wird an einzelnen Punkten sehr konkrete und wohlüberlegte Handlungsanweisungen finden. Die Idee, das Senckenbergmuseum zu einem Zentrum „Natur – Mensch – Kosmos“ mit nationaler Ausstrahlung auszubauen, leuchtet ein. Der Erfolg der Tiefseeausstellung zeigt, wie groß der Wissensdurst in breiten Kreisen ist. Kommt noch ein Wissenschaftszentrum hinzu, umso besser.
Auch die Idee von Modellschulen in schwierigen Stadtteilen ist bestechend. Die weitgehend tabuisierte Entwicklung, dass die deutsche Mittelschicht bestimmte Stadtteile flieht, sobald die Kinder schulpflichtig werden, könnte endlich wirksam bekämpft werden. Das ist eine Hauptaufgabe der Politik, wenn sie ein Zerbrechen der Gesellschaft aufhalten will.
Heruntergekommene Siedlungen
Hier findet sich auch ein Anknüpfungspunkt für die vieldiskutierte Internationale Bauausstellung. Die ökologisch und sozial vorbildliche Sanierung von heruntergekommenen Siedlungen, die in der Region vielerorts ohnehin ansteht, wäre ein Thema, das konkret und drängend genug ist, um es den Bürgern zu vermitteln und international für Interesse zu sorgen. Wenn der Römer nur diese Anregung aufgriffe, hätte sich die Studie schon gelohnt.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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