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Kommentar : Links und provinziell

Die Strategen um SPD-Parteichef Schäfer-Gümbel wissen nur zu genau, dass sie die CDU/FDP-Regierung ablösen können, wenn sie in Hessens heimlicher Hauptstadt, in Frankfurt, gut abschneiden.

          Die Entwicklung in Frankfurt gibt den hessischen Sozialdemokraten Anlass zur Hoffnung. Seit dem Sieg von Peter Feldmann bei der Oberbürgermeisterwahl wissen die Genossen von Kassel bis Darmstadt, dass sie doch noch gewinnen können. Aus diesem Erfolg schöpft die Hessen-SPD nach Jahren der Niederlagen Zuversicht.

          Die Strategen um Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel wissen nur zu genau, dass sie Hessen nur erobern und die CDU/FDP-Regierung ablösen können, wenn sie in Hessens heimlicher Hauptstadt, in Frankfurt, gut abschneiden. Hier sind zusätzliche Stimmen zu gewinnen, welche die SPD auch für einen Erfolg bei der Bundestagswahl unabdingbar benötigt. Wie man das macht, hat der anfangs als chancenlos angesehene Feldmann in seinem Kampf gegen den CDU-Innenminister Boris Rhein bewiesen.

          Alte Fehler vermieden

          Wenn es freilich um Mandate und gute Listenplätze geht, geben sich die hessischen Genossen provinziell. Ihr Wissen, dass es vor allem auf Frankfurt ankommt, scheinen sie dann zu verdrängen. Da werden die Frankfurter Genossen gerne mal gedeckelt und von den alten Seilschaften klein gehalten. Im Bundestag sitzt derzeit kein SPD-Abgeordneter aus Frankfurt. Dafür zwei Volksvertreter von der CDU, zwei von der FDP, zwei von den Grünen und ein Linker.

          Immerhin hat der SPD-Bezirk Hessen-Süd vor dieser Bundestagswahl nicht den alten Fehler gemacht, die Frankfurter Bewerber auf völlig aussichtslose Listenplätze zu setzen. Aber man muss immerhin bis sieben zählen, um auf der neuen Liste von Hessen-Süd mit Ulli Nissen eine Frankfurter Kandidatin zu entdecken. Sollte die SPD bei der Bundestagswahl richtig schlecht abschneiden, ist auch Nissens siebter Platz nicht sicher. Schließlich müssen noch die Bewerber von Hessen-Nord in die Liste eingearbeitet werden, da kann die Frankfurter Bewerberin schnell auf den keineswegs völlig sicheren Platz zwölf abrutschen.

          Der Partei-Rechte Gregor Amann, der für die SPD schon einmal den Frankfurter Westen erobert hat, kann im linken Bezirk Hessen-Süd ohnehin keinen Stich machen. Will die SPD wirklich siegen, muss sie weniger auf Besitzstandswahrung setzen und mehr auf das Ausschöpfen ihrer Potentiale.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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